Ein eingetragener Freibetrag wirkt jeden Monat, nicht einmal im Jahr. Alle Werte sind an geprüften Quellen belegt und für 2026 verifiziert.
Zuletzt fachlich geprüft am 13. August 2026 · Rechtsstand: Veranlagungszeitraum 2026
Nach § 39a EStG kann das Finanzamt einen Freibetrag in die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale eintragen. Der Arbeitgeber zieht ihn vom monatlichen Bruttolohn ab, die Lohnsteuer sinkt sofort. Für Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen gilt eine Antragsgrenze von 600 €; für Pauschbeträge für Menschen mit Behinderung und Hinterbliebene gilt sie nicht. Der Freibetrag gilt bis zu zwei Kalenderjahre. Wer ihn eintragen lässt, ist zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet.
Was der Freibetrag bewirkt
Der Arbeitgeber berechnet die Lohnsteuer anhand deiner elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM). Ein eingetragener Freibetrag wird auf die Lohnzahlungszeiträume verteilt und mindert den steuerpflichtigen Arbeitslohn – Monat für Monat.
Wirtschaftlich passiert nichts anderes als bei der Erstattung über die Steuererklärung: Der Vorteil ist derselbe, er kommt nur elf bis zwanzig Monate früher. Wer den Betrag anlegt oder Kredite tilgt, gewinnt zusätzlich.
Wer einen Freibetrag eintragen lässt, wird pflichtveranlagt (§ 46 Abs. 2 Nr. 4 EStG) – Ausnahme: die Eintragung betrifft nur den Behinderten- oder Hinterbliebenen-Pauschbetrag oder das Arbeitslohn-Volumen bleibt unter den Grenzbeträgen.
Welche Aufwendungen zählen
| Position | Besonderheit |
|---|---|
| Werbungskosten | soweit sie den Arbeitnehmer-Pauschbetrag übersteigen |
| Sonderausgaben | ohne Vorsorgeaufwendungen, soweit über dem Pauschbetrag |
| Außergewöhnliche Belastungen | abzüglich zumutbarer Belastung |
| Behinderten- und Hinterbliebenen-Pauschbetrag | ohne Antragsgrenze eintragbar |
| Verluste aus anderen Einkunftsarten | z. B. aus Vermietung |
| Haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen | die Steuerermäßigung wird mit dem Vierfachen angesetzt |
| Entlastungsbetrag für Alleinerziehende bei Steuerklasse I | statt Wechsel in Klasse II |
Die Antragsgrenze von 600 € gilt für die Summe aus Werbungskosten (über dem Pauschbetrag), Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen. Wird sie nicht erreicht, ist keine Eintragung möglich – die Kosten wirken dann erst über die Steuererklärung.
- Typische Fälle langer Arbeitsweg, doppelte Haushaltsführung, hohe Fortbildungskosten, Unterhaltsleistungen.
- Antragszeitraum Anträge sind ab dem 1. Oktober des Vorjahres bis zum 30. November des laufenden Jahres möglich.
- Geltungsdauer Der Freibetrag gilt für bis zu zwei Kalenderjahre; ändern sich die Verhältnisse zu deinen Ungunsten, bist du zur Mitteilung verpflichtet.
- Formular „Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung" – über ELSTER oder als amtlicher Vordruck.
Musterschreiben zum Anpassen
Ergänzend zum amtlichen Vordruck kannst du deine Positionen mit einem kurzen Begleitschreiben erläutern.
Änderung, Wegfall und Steuerklassenwechsel
- Verhältnisse ändern sich Fällt der Grund weg – etwa durch Umzug näher an den Arbeitsplatz –, bist du verpflichtet, das dem Finanzamt anzuzeigen.
- Arbeitgeberwechsel Der Freibetrag bleibt in den ELStAM gespeichert und wirkt beim neuen Arbeitgeber weiter.
- Zweites Dienstverhältnis Für Steuerklasse VI kann ein Freibetrag eingetragen und beim ersten Arbeitsverhältnis ein entsprechender Hinzurechnungsbetrag gebildet werden.
- Steuerklassenwechsel statt Freibetrag Bei Ehepaaren wirkt der Wechsel der Steuerklassenkombination oft stärker als ein Freibetrag – beides ist kombinierbar.
- Widerruf Der Freibetrag kann jederzeit herabgesetzt oder gestrichen werden.
Ein zu hoch eingetragener Freibetrag führt am Jahresende zur Nachzahlung. Setze nur an, was du belegen kannst – und passe an, wenn sich die Verhältnisse ändern.
Pendler mit 48 km Arbeitsweg
220 Arbeitstage, 48 km einfache Entfernung, zusätzlich 1.780 € Fortbildungskosten. Grenzsteuersatz 32 %.
Deine Checkliste: Freibetrag eintragen lassen
Hak ab, was auf dich zutrifft – dein Fortschritt wird automatisch gespeichert.
Schritt für Schritt
9 Punkte · Arbeitnehmer & Lohnsteuer- 1. Aufwendungen zusammenstellenWerbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen.
- 2. Pauschbeträge abziehenNur der übersteigende Teil zählt.
- 3. Antragsgrenze prüfenDie Summe muss über 600 € liegen.
- 4. Antragsformular ausfüllenÜber ELSTER oder als amtlicher Vordruck.
- 5. Belege beifügenFahrtstrecke, Seminarrechnung, Unterhaltsnachweis.
- 6. Antragsfrist beachtenBis 30. November des laufenden Jahres.
- 7. Lohnabrechnung kontrollierenAb wann wirkt der Freibetrag?
- 8. Steuererklärung einplanenDer Freibetrag löst eine Erklärungspflicht aus.
- 9. Änderungen meldenWenn der Grund entfällt.
Häufige Fragen (FAQ)
Ab welcher Höhe kann ich einen Freibetrag eintragen lassen?
Werbungskosten über dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen müssen zusammen mehr als 600 € betragen. Für den Behinderten- und den Hinterbliebenen-Pauschbetrag gilt diese Antragsgrenze nicht.
Wie lange gilt der Freibetrag?
Er kann für bis zu zwei Kalenderjahre eingetragen werden. Ändern sich die Verhältnisse zu deinen Ungunsten, bist du verpflichtet, das dem Finanzamt mitzuteilen.
Bis wann kann ich den Antrag stellen?
Anträge sind ab dem 1. Oktober des Vorjahres bis zum 30. November des laufenden Jahres möglich. Je früher der Antrag gestellt wird, auf desto mehr Monate verteilt sich die Wirkung.
Muss ich dann eine Steuererklärung abgeben?
In der Regel ja. Die Eintragung eines Freibetrags führt zur Pflichtveranlagung. Ausgenommen sind unter anderem Eintragungen, die nur den Behinderten- oder Hinterbliebenen-Pauschbetrag betreffen.
Zählen Handwerkerleistungen mit?
Ja. Weil es sich um eine Steuerermäßigung und nicht um einen Abzug von der Bemessungsgrundlage handelt, wird der ermittelte Ermäßigungsbetrag mit dem Vierfachen als Freibetrag angesetzt.
Was ist besser: Freibetrag oder Steuerklassenwechsel?
Beides wirkt auf den Monatslohn und lässt sich kombinieren. Bei Ehepaaren bringt der Wechsel der Steuerklassenkombination meist mehr; der Freibetrag lohnt sich zusätzlich bei hohen individuellen Kosten.
Was passiert bei einem Jobwechsel?
Der Freibetrag ist in den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen gespeichert und wird vom neuen Arbeitgeber automatisch berücksichtigt.
Quellen & Rechtsgrundlagen
Alle Werte wurden am 13. August 2026 anhand der folgenden Quellen geprüft. Rechtsstand: Veranlagungszeitraum 2026.


