vGA-Feststellung: substantiiert widersprechen
Prüfungsfeststellungen zur verdeckten Gewinnausschüttung leben von Vermutungen. Wer den Fremdvergleich mit Zahlen unterlegt, die Formalia des beherrschenden Gesellschafters belegt und die Folgewirkungen adressiert, verschiebt die Argumentationslast. Der Konfigurator erzeugt daraus eine Stellungnahme oder eine Einspruchsbegründung.
Konfigurator
Wählen Sie Anlass und Fallgruppe; anschließend klicken Sie an, welche Formalia erfüllt sind und welche Fremdvergleichsdaten vorliegen. Der Konfigurator formuliert daraus eine geordnete Stellungnahme mit Sachverhalt, rechtlichem Maßstab, Subsumtion und Antrag – einschließlich der Folgewirkungen auf Gesellschafterebene.
Führen Sie den Streit auf Gesellschaftsebene: Über § 32a KStG wirkt die Entscheidung auf den Einkommensteuerbescheid des Gesellschafters durch. Legen Sie Vergleichsdaten möglichst zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses vor.
Rechtlicher Hinweis: unverbindliche Formulierungshilfe – keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.
Die Beweislast lässt sich zurückschieben
- Legen Sie Vergleichsdaten aus dem Jahr des Vertragsschlusses vor – nicht aus dem Prüfungsjahr.
- Betonen Sie die Bandbreite: Innerhalb fremdüblicher Bandbreiten ist jeder Wert angemessen; ein Ansatz am unteren Rand ist nicht geboten.
- Verlangen Sie die Umqualifizierungsfolgen: Entfällt Arbeitslohn, ist die abgeführte Lohnsteuer zu berücksichtigen.
- Führen Sie den Streit auf Gesellschaftsebene – über § 32a KStG entscheidet er zugleich über die Ebene des Gesellschafters.
Wann dieses Schreiben passt
Die Annahme einer verdeckten Gewinnausschüttung wird selten überraschend im Bescheid stehen; sie kündigt sich im Prüfungsverlauf an. Genau dort ist der wirksamste Zeitpunkt für eine substantiierte Stellungnahme – bevor sich die Prüfung auf eine Zahl festgelegt hat und bevor Folgebescheide erlassen sind.
- Stellungnahme zur Prüfungsfeststellung: nach Mitteilung der Feststellung, vor dem Prüfungsbericht.
- Vorbereitung der Schlussbesprechung: als schriftliche Zusammenfassung der eigenen Position und Grundlage einer möglichen tatsächlichen Verständigung.
- Einspruchsbegründung: nach Erlass des Bescheides, innerhalb der Monatsfrist des § 355 AO, sinnvollerweise verbunden mit einem Antrag auf Aussetzung der Vollziehung.
Aufbau des Schreibens
I. Sachverhalt
Gegenstand, Zeitraum, Kennzahlen der Gesellschaft und Gesellschafterstellung. Der formale Rahmen – Schriftform, Vorherigkeit, Durchführung, Beschluss, Befreiung von § 181 BGB – wird als Aufzählung dokumentiert, weil an ihm die meisten Feststellungen scheitern oder gelingen.
II. Rechtlicher Maßstab
Definition der vGA mit ihren vier Merkmalen, Maßstab des ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters und – entscheidend – die Verteilung der Feststellungslast.
III. Subsumtion
Fallgruppenspezifische Argumentation: Gesamtausstattung statt Einzelkomponente, Bandbreitenbetrachtung, Fahrtenbuch bei Pkw, Besicherung bei Darlehen, Erdienbarkeit bei Pensionszusagen.
IV. Folgewirkungen
§ 32a KStG, Lohnsteuerkorrektur, Kapitalertragsteuer, Antrag nach § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG und die umsatzsteuerliche Mindestbemessungsgrundlage.
V. Antrag
Entfallen, Reduzieren oder Angebot einer tatsächlichen Verständigung – bei Einspruch ergänzt um den Änderungs- und den Aussetzungsantrag.
Welche Nachweise überzeugen
- Gehaltsstrukturuntersuchungen mit Angabe von Branche, Umsatzklasse, Mitarbeiterzahl und Zahl der Geschäftsführer – möglichst aus dem Jahr des Vertragsschlusses.
- Interner Fremdvergleich: Konditionen, die die Gesellschaft fremden Dritten gewährt hat.
- Mietspiegel, Wertgutachten oder Vergleichsmieten bei Nutzungsüberlassungen.
- Bankauskunft zu Soll- und Habenzinsen nebst Bewertung der Sicherheiten bei Darlehen.
- Versicherungsmathematisches Gutachten zur Finanzierbarkeit und Erdienbarkeit der Pensionszusage.
- Vertragsdokumentation: Anstellungsvertrag mit Änderungsvereinbarungen, Beschlüsse, Fahrtenbuch, Kontenentwicklung.
Ein über Jahre wachsendes Gesellschafterverrechnungskonto ohne Darlehensvertrag ist der häufigste Anlass für die Annahme einer vGA. Wo ein Vertrag fehlt, sollte er – für die Zukunft – unverzüglich geschlossen und der Saldo verzinst, besichert und getilgt werden.
Häufige Fehler in der Verteidigung
- Nur bestreiten, nicht belegen: Ohne Vergleichsdaten bleibt die Prüfungsschätzung stehen.
- Auf die Einzelkomponente abstellen: Maßgeblich ist die Gesamtausstattung.
- Rückwirkende Beschlüsse nachschieben: Beim beherrschenden Gesellschafter verstärkt das den Vorwurf.
- Nur die Gesellschaft verteidigen: Ohne Blick auf § 32a KStG wird die Ebene des Gesellschafters übersehen.
- Lohnsteuerkorrektur nicht verlangen: Dann wird derselbe Vorteil doppelt erfasst.
- Aussetzung der Vollziehung vergessen: Der Streit dauert; ohne AdV ist zu zahlen.
Häufige Fragen (FAQ)
Wer muss die verdeckte Gewinnausschüttung beweisen?
Die Feststellungslast für die Veranlassung durch das Gesellschaftsverhältnis liegt bei der Finanzbehörde. Fehlt allerdings eine klare, im Voraus getroffene und tatsächlich durchgeführte Vereinbarung, greift ein Anscheinsbeweis zu ihren Gunsten – dann muss der Steuerpflichtige die betriebliche Veranlassung belegen.
Welche Bandbreite gilt beim Geschäftsführergehalt?
Feste Grenzen gibt es nicht. Zu beurteilen ist die Gesamtausstattung anhand von Tätigkeit, Unternehmensgröße, Ertragslage und Branchenvergleich. Als Orientierung dienen eine Aufteilung von rund 75 % Fixum zu 25 % Tantieme und eine Tantieme von höchstens 50 % des Jahresüberschusses.
Hilft ein Fahrtenbuch gegen die vGA beim Firmenwagen?
Es ist der zentrale Nachweis. Mit schriftlicher Überlassungsvereinbarung und ordnungsgemäßem Fahrtenbuch ist die Nutzung Arbeitslohn und wird nach § 8 Abs. 2 EStG bewertet – nicht als vGA mit gemeinem Wert und Gewinnaufschlag.
Was bedeutet § 32a KStG für das Verfahren?
Er erlaubt die korrespondierende Änderung: Wird bei der Gesellschaft eine vGA angesetzt, kann auch der bereits bestandskräftige Einkommensteuerbescheid des Gesellschafters geändert werden. Deshalb ist der Streit auf Gesellschaftsebene zu führen.
Kann über eine vGA eine tatsächliche Verständigung geschlossen werden?
Über die Rechtsfrage nicht, über die Tatsachengrundlage schon – etwa über die maßgebliche Vergleichsbandbreite oder den Nutzungsanteil. Der Konfigurator enthält hierfür eine eigene Antragsvariante.
Muss die vGA an die Gesellschaft zurückgezahlt werden?
Steuerlich ändert eine Rückzahlung die Vorjahresbesteuerung grundsätzlich nicht; sie wird als Einlage behandelt. Zivilrechtlich kann eine Rückzahlungspflicht bestehen, etwa bei Verstoß gegen § 30 GmbHG.
Wie lange läuft die Einspruchsfrist?
Einen Monat nach Bekanntgabe des Bescheides (§ 355 AO). Ein Antrag auf Aussetzung der Vollziehung nach § 361 AO sollte gleich mitgestellt werden, weil der Einspruch die Vollziehung nicht hemmt.
Was gilt bei Zuwendungen an Angehörige?
Der Vorteil wird dem Gesellschafter zugerechnet, auch wenn er einer nahestehenden Person zufließt. Bei Zuwendungen an Dritte ohne eigenes Gesellschaftsinteresse kann zusätzlich Schenkungsteuer entstehen.
Rechtsgrundlagen & Quellen
Verwiesen wird auf geltende Gesetze sowie die einschlägigen Verwaltungsanweisungen. Rechtsstand: 2026.
Wichtiger Hinweis
vGA-Feststellungen wirken über § 32a KStG in mehrere Verfahren und Jahre. Dieses Musterschreiben ist eine unverbindliche Formulierungshilfe und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall dar. Ziehen Sie bei wirtschaftlich bedeutenden Vorgängen eine Steuerberaterin, einen Steuerberater, eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt – idealerweise mit Fachanwaltschaft für Steuerrecht – hinzu.
vGA in der Prüfung?
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