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Ratgeber · Anträge & Mitteilung § 37 EStG Musterschreiben vier Termine

Vorauszahlungen anpassen: Liquidität zurückholen

Vorauszahlungen bemessen sich an der Vergangenheit. Wenn das laufende Jahr schlechter läuft, finanzierst du das Finanzamt – bis du widersprichst.

Selbständige prüft ihre VorauszahlungenVorauszahlungen sind am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember fällig – die Anpassung wirkt ab dem nächsten Termin.

Eine Seite Text kann vier Quartale Liquidität retten. Alle Werte sind an geprüften Quellen belegt und für 2026 verifiziert.

Zuletzt fachlich geprüft am 11. August 2026 · Rechtsstand: Veranlagungszeitraum 2026

Das Wichtigste in Kürze

Einkommensteuer-Vorauszahlungen bemisst das Finanzamt nach der zuletzt veranlagten Steuer. Sie sind am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember fällig. Sinkt dein Gewinn, kannst du eine Herabsetzung nach § 37 Abs. 3 EStG beantragen – formlos und jederzeit. Das Finanzamt darf die Vorauszahlungen umgekehrt bis zum Ablauf des 15. Monats nach dem Veranlagungszeitraum auch nachträglich erhöhen. Wer zu niedrig ansetzt, riskiert eine Nachzahlung samt Nachzahlungszinsen.

Wie Vorauszahlungen festgesetzt werden

Vorauszahlungen sind Abschläge auf die voraussichtliche Jahressteuer. Grundlage ist regelmäßig die Steuer der letzten Veranlagung, bereinigt um bestimmte Positionen. Festgesetzt werden sie durch einen eigenen Vorauszahlungsbescheid, der wie jeder Bescheid mit dem Einspruch angefochten werden kann.

Die vier Fälligkeitstermine
QuartalFällig am
I.10. März
II.10. Juni
III.10. September
IV.10. Dezember

Festgesetzt wird nur, wenn die Vorauszahlung mindestens 400 € im Jahr und 100 € je Termin beträgt. Neben der Einkommensteuer werden auch Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer vorausgezahlt; für die Gewerbesteuer setzt die Gemeinde eigene Vorauszahlungen fest.

Auch Rentner und Vermieter sind betroffen

Vorauszahlungen treffen nicht nur Selbständige. Wer Mieteinkünfte, Renten ohne Lohnsteuerabzug oder hohe Kapitalerträge ohne Steuerabzug hat, bekommt ebenfalls einen Vorauszahlungsbescheid.

Herabsetzung beantragen

Läuft das Jahr schlechter als erwartet, kannst du die Anpassung jederzeit formlos beantragen. Je konkreter du den erwarteten Gewinn belegst, desto reibungsloser läuft es.

  • Betriebswirtschaftliche Auswertung die BWA der letzten Monate ist der stärkste Nachweis.
  • Auftragslage weggefallene Großkunden oder stornierte Aufträge benennen.
  • Prognoserechnung erwarteter Jahresgewinn mit kurzer Herleitung.
  • Sonderfälle Elternzeit, Krankheit, Betriebsaufgabe oder Wechsel in die Anstellung.
  • Höhere Abzüge geplante Investitionen, Investitionsabzugsbetrag oder außergewöhnliche Belastungen.
Nicht zu tief ansetzen

Wer die Vorauszahlungen auf null drückt und am Jahresende doch Gewinn macht, zahlt alles auf einmal – zuzüglich Nachzahlungszinsen von 0,15 % je vollem Monat ab dem 15. Monat nach Ablauf des Steuerjahres.

Musterschreiben zum Anpassen

Passe Zahlen, Zeitraum und Begründung an deinen Fall an.

Muster · Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen
Max Mustermann · Musterstraße 1 · 12345 Musterstadt
Steuernummer: 000/000/00000
Finanzamt Musterstadt
Amtsstraße 5 · 12345 Musterstadt
Musterstadt, den 15. Mai 2026
Antrag auf Herabsetzung der Einkommensteuer-Vorauszahlungen ab dem III. Quartal 2026
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Bescheid vom 12. Februar 2026 wurden meine Vorauszahlungen zur Einkommensteuer auf vierteljährlich 3.200 € festgesetzt. Grundlage war das Ergebnis des Veranlagungszeitraums 2024.
Der Geschäftsverlauf des laufenden Jahres bleibt deutlich hinter diesem Ergebnis zurück. Ein wesentlicher Auftraggeber ist zum 31. März 2026 weggefallen; die betriebswirtschaftliche Auswertung zum 30. April 2026 weist einen vorläufigen Gewinn von 14.800 € aus. Für das Gesamtjahr rechne ich mit einem Gewinn von rund 42.000 € statt der bisher zugrunde gelegten 96.000 €.
Ich beantrage daher, die Vorauszahlungen ab dem III. Quartal 2026 auf vierteljährlich 1.100 € herabzusetzen. Die betriebswirtschaftliche Auswertung füge ich bei.
Mit freundlichen Grüßen
Max Mustermann

Wenn das Finanzamt erhöht

Die Anpassung funktioniert in beide Richtungen. Das Finanzamt darf die Vorauszahlungen bis zum Ablauf des 15. Monats nach dem Veranlagungszeitraum nachträglich erhöhen – für 2026 also bis Ende März 2028.

  • Auslöser ein Steuerbescheid für ein früheres Jahr mit deutlich höherem Ergebnis.
  • Nachzahlung Die Erhöhung wird für zurückliegende Termine in einem Betrag fällig.
  • Einspruch Der Vorauszahlungsbescheid ist ein Verwaltungsakt und binnen eines Monats anfechtbar.
  • Stundung Bei Liquiditätsengpässen kommt eine Stundung nach § 222 AO in Betracht.
Anpassen statt nachzahlen

Wer im laufenden Jahr deutlich mehr verdient, sollte die Vorauszahlungen freiwillig erhöhen lassen. Das kostet nichts und verhindert Nachzahlungszinsen auf die spätere Abschlusszahlung.

Rechenbeispiel

Herabsetzung bei halbiertem Gewinn

Bisherige Vorauszahlung 3.200 € je Quartal auf Basis von 96.000 € Gewinn. Für 2026 werden 42.000 € Gewinn erwartet.

Bisherige Jahresvorauszahlung12.800 €
Erwarteter Gewinn 202642.000 €
Voraussichtliche Jahressteuerrund 4.400 €
Neue Vorauszahlung je Quartal1.100 €
Liquiditätsvorteil im Jahr8.400 €

Deine Checkliste: Vorauszahlungen anpassen

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Schritt für Schritt

8 Punkte · Anträge & Mitteilung
  • 1. Vorauszahlungsbescheid heraussuchenDatum, Beträge und Zeitraum notieren.
  • 2. Aktuelles Ergebnis ermittelnBWA oder Zwischenauswertung erstellen.
  • 3. Jahresgewinn prognostizierenNachvollziehbar herleiten.
  • 4. Neue Vorauszahlung berechnenSteuer auf den erwarteten Gewinn durch vier.
  • 5. Antrag formlos stellenÜber ELSTER oder per Schreiben.
  • 6. Nachweise beifügenBWA, Kündigungen, Prognoserechnung.
  • 7. Vor dem nächsten Termin einreichenDie Anpassung wirkt ab dem Folgetermin.
  • 8. Jahresende gegenprüfenBei besserem Verlauf freiwillig erhöhen lassen.

Häufige Fragen (FAQ)

Wann sind Vorauszahlungen fällig?

Am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember eines Jahres. Fällt der Termin auf ein Wochenende oder einen Feiertag, verschiebt er sich auf den nächsten Werktag.

Ab welcher Höhe werden Vorauszahlungen festgesetzt?

Erst wenn sie mindestens 400 € im Kalenderjahr und mindestens 100 € je Vorauszahlungstermin betragen.

Wie beantrage ich eine Herabsetzung?

Formlos beim zuständigen Finanzamt, am besten über ELSTER. Nenne Steuernummer, gewünschten neuen Betrag, ab welchem Quartal er gelten soll und eine nachvollziehbare Begründung mit Nachweisen.

Welche Nachweise verlangt das Finanzamt?

In der Regel eine betriebswirtschaftliche Auswertung oder eine Prognoserechnung. Bei Krankheit, Elternzeit oder Wegfall eines Auftraggebers helfen entsprechende Belege.

Kann das Finanzamt die Vorauszahlungen nachträglich erhöhen?

Ja, bis zum Ablauf des 15. Monats nach dem jeweiligen Veranlagungszeitraum. Die Erhöhung für bereits abgelaufene Termine wird in einem Betrag fällig.

Was passiert, wenn ich zu niedrig ansetze?

Die Differenz wird mit dem Steuerbescheid nachgefordert. Ab dem 15. Monat nach Ablauf des Steuerjahres kommen Nachzahlungszinsen von 0,15 % je vollem Monat hinzu.

Gilt der Antrag auch für die Gewerbesteuer?

Nein. Die Gewerbesteuer-Vorauszahlungen setzt die Gemeinde fest. Ein Herabsetzungsantrag ist dort gesondert zu stellen, meist parallel zum Antrag beim Finanzamt.

Quellen & Rechtsgrundlagen

Alle Werte wurden am 11. August 2026 anhand der folgenden Quellen geprüft. Rechtsstand: Veranlagungszeitraum 2026.

  1. § 37 EStG – Einkommensteuer-Vorauszahlung. Gesetze im Internet, Bundesamt für Justiz.
  2. § 233a AO – Verzinsung von Steuernachforderungen. Gesetze im Internet.
  3. § 222 AO – Stundung. Gesetze im Internet.
SteuerNest Redaktion
Klar. Digital. Steuerrecht.

Wir übersetzen Steuerrecht in verständliche Sprache und prüfen jede Zahl gegen die Primärquelle. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung durch Steuerberater, Rechtsanwalt oder Lohnsteuerhilfeverein.

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