Der Investitionsabzugsbetrag verschiebt Steuerlast dorthin, wo sie weniger wehtut – aber nur, wenn du tatsächlich investierst. Alle Werte sind an geprüften Quellen belegt und für 2026 verifiziert.
Zuletzt fachlich geprüft am 11. August 2026 · Rechtsstand: Veranlagungszeitraum 2026
Kleine Betriebe dürfen bis zu 50 % der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten beweglicher Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens vorab gewinnmindernd abziehen. Voraussetzung ist ein Gewinn von höchstens 200.000 € im Abzugsjahr. Die Summe aller offenen Abzugsbeträge ist auf 200.000 € begrenzt. Investiert werden muss innerhalb von drei Jahren; das Wirtschaftsgut muss im Jahr der Anschaffung und im Folgejahr zu mindestens 90 % betrieblich genutzt werden. Zusätzlich sind 40 % Sonderabschreibung möglich.
So funktioniert der Investitionsabzugsbetrag
Normalerweise wirkt sich eine Investition erst über die Abschreibung aus – verteilt über die Nutzungsdauer, beginnend mit dem Monat der Anschaffung. Der Investitionsabzugsbetrag (IAB) dreht diese Reihenfolge um: Du senkst deinen Gewinn bereits in dem Jahr, in dem du die Investition planst.
Der IAB ist keine Steuerersparnis, sondern eine Steuerstundung. Im Jahr der Anschaffung wird der Abzugsbetrag wieder hinzugerechnet und im Gegenzug werden die Anschaffungskosten um denselben Betrag gemindert. Unterm Strich sinkt die Abschreibungsbasis – die Steuer verschiebt sich, sie verschwindet nicht.
Der Effekt ist umso größer, je höher dein Grenzsteuersatz im Abzugsjahr und je niedriger er im Investitionsjahr ist – etwa bei einem einmalig starken Gewinnjahr, vor einer Elternzeit oder vor dem Ruhestand. Bei gleichbleibendem Steuersatz bleibt nur der Zins- und Liquiditätsvorteil.
Wer den IAB nutzen darf
| Kriterium | Anforderung |
|---|---|
| Gewinngrenze | höchstens 200.000 € im Jahr des Abzugs – einheitlich für Bilanzierer und EÜR-Rechner |
| Höchstbetrag | Summe aller noch offenen Abzugsbeträge: 200.000 € je Betrieb |
| Abzugshöhe | bis zu 50 % der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten |
| Begünstigte Güter | bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, neu oder gebraucht |
| Nutzung | mindestens 90 % betrieblich im Jahr der Anschaffung und im Folgejahr |
| Investitionszeitraum | die drei auf das Abzugsjahr folgenden Wirtschaftsjahre |
| Form | elektronische Übermittlung der Abzugsbeträge mit der Steuererklärung |
Der Gewinn wird vor Abzug des IAB ermittelt. Wer mit 210.000 € Gewinn knapp über der Grenze liegt, kann diese nicht durch den IAB selbst unterschreiten – wohl aber durch andere Maßnahmen wie vorgezogene Betriebsausgaben.
Nicht begünstigt sind immaterielle Wirtschaftsgüter wie Software-Lizenzen im engeren Sinn, Grundstücke und Gebäude. Der Firmenwagen ist begünstigt – aber nur, wenn die 90-%-Grenze eingehalten wird. Ein per Ein-Prozent-Regelung besteuerter Wagen scheitert daran regelmäßig, weil die Privatnutzung dabei nicht nachgewiesen unter 10 % liegt. Hier hilft nur ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch.
Die Nutzungsvoraussetzung gilt für zwei Wirtschaftsjahre – das der Anschaffung und das folgende. Wird sie im zweiten Jahr gerissen, wird der IAB rückwirkend gestrichen. Fahrtenbuch von Anfang an führen.
Der Ablauf über vier Jahre
| Jahr | Was passiert |
|---|---|
| Jahr 1 (Abzugsjahr) | IAB von bis zu 50 % der geplanten Kosten mindert den Gewinn |
| Jahr 2–4 | Investitionszeitraum – die Anschaffung muss bis zum Ende des dritten Folgejahres erfolgen |
| Jahr der Anschaffung | IAB wird außerbilanziell hinzugerechnet; zugleich dürfen die Anschaffungskosten in gleicher Höhe gemindert werden |
| Anschaffung + Folgejahr | Sonderabschreibung von bis zu 40 % zusätzlich zur linearen AfA möglich |
Die Herabsetzung der Anschaffungskosten ist ein Wahlrecht, kein Automatismus. Wer sie nicht ausübt, muss den IAB dennoch hinzurechnen – der Gewinn steigt dann im Anschaffungsjahr voll an. In der Praxis werden beide Schritte fast immer zusammen ausgeübt.
Die Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG beträgt bis zu 40 % und kann beliebig auf das Jahr der Anschaffung und die vier folgenden Jahre verteilt werden. Sie ist unabhängig davon möglich, ob zuvor ein IAB gebildet wurde – die Gewinngrenze von 200.000 € im Vorjahr muss aber ebenfalls eingehalten sein.
Die teure Rückabwicklung
Bleibt die Investition aus, wird der IAB im ursprünglichen Abzugsjahr rückgängig gemacht – nicht im Jahr der Erkenntnis. Der Steuerbescheid des Abzugsjahres wird geändert, die Steuer nachgefordert.
Auf die Nachzahlung entstehen Nachzahlungszinsen nach § 233a AO. Der Zinslauf beginnt 15 Monate nach Ablauf des Abzugsjahres – bei einem IAB aus 2023, der 2026 rückabgewickelt wird, sind das bereits mehrere Zinsjahre.
Dieselbe Rechtsfolge tritt ein, wenn das Wirtschaftsgut zwar angeschafft, aber die 90-%-Nutzungsgrenze verfehlt oder das Gut vorzeitig veräußert oder ins Privatvermögen entnommen wird. Deshalb gilt: Den IAB nur für Investitionen bilden, die realistisch geplant sind – nicht als reines Gewinnpolster.
Eine freiwillige Rückgängigmachung ist jederzeit möglich, solange der Bescheid änderbar ist. Wer früh erkennt, dass die Investition ausfällt, begrenzt damit die Zinslast.
Praxis: Kombination mit GWG, Leasing und Sonder-AfA
- IAB + Sonder-AfA Die Kombination bringt im Anschaffungsjahr die höchste Entlastung: 50 % vorab, danach 40 % Sonderabschreibung auf den Restbetrag plus lineare AfA.
- IAB und GWG Für geringwertige Wirtschaftsgüter bis 800 € netto lohnt der IAB kaum – der Sofortabzug ist einfacher.
- Leasing Beim klassischen Leasing wirst du nicht wirtschaftlicher Eigentümer – ein IAB ist dann ausgeschlossen. Beim Mietkauf dagegen möglich.
- Betriebsübergabe Offene Abzugsbeträge gehen bei unentgeltlicher Übertragung des Betriebs auf den Rechtsnachfolger über.
- Personengesellschaften Der IAB kann sowohl im Gesamthandsvermögen als auch im Sonderbetriebsvermögen gebildet werden – die Investition muss aber im selben Bereich erfolgen.
Die Abzugsbeträge sind nach amtlich vorgeschriebenen Datensätzen elektronisch zu übermitteln. Ein formloser Vermerk im Jahresabschluss genügt nicht. In der EÜR erfolgt der Ausweis in der Anlage EÜR.
Handwerksbetrieb plant einen Transporter für 60.000 €
Gewinn 2026 vor IAB: 95.000 €. Der Transporter soll 2028 angeschafft werden und wird per Fahrtenbuch zu 95 % betrieblich genutzt.
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Vor dem Jahresabschluss
10 Punkte · Selbständige & Unternehmen- 1. Gewinn vor IAB ermittelnLiegt er über 200.000 €, ist der Abzug ausgeschlossen.
- 2. Investitionsplan schriftlich festhaltenArt des Wirtschaftsguts und Kostenschätzung dokumentieren.
- 3. Höchstbetrag prüfenAlle offenen Abzugsbeträge zusammenrechnen – Grenze 200.000 €.
- 4. Abzugsbetrag elektronisch übermittelnAnlage EÜR bzw. E-Bilanz, nicht formlos.
- 5. Dreijahresfrist im Kalender vermerkenEnde des dritten Folgejahres ist der Stichtag.
- 6. Fahrtenbuch ab Tag eins führenBei Fahrzeugen zwingend für die 90-%-Grenze.
- 7. Im Anschaffungsjahr hinzurechnenUnd zugleich die Anschaffungskosten mindern.
- 8. Sonderabschreibung einplanen40 % verteilbar auf fünf Jahre.
- 9. Nutzung im Folgejahr überwachenAuch das zweite Jahr entscheidet über den Bestand.
- 10. Bei Ausfall früh auflösenBegrenzt die Nachzahlungszinsen.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie hoch darf der Investitionsabzugsbetrag sein?
Bis zu 50 % der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Die Summe aller noch nicht aufgelösten Abzugsbeträge darf 200.000 € je Betrieb nicht übersteigen.
Welche Gewinngrenze gilt?
Der Gewinn des Betriebs darf im Jahr des Abzugs 200.000 € nicht überschreiten – ermittelt vor Anwendung des Investitionsabzugsbetrags. Die Grenze gilt einheitlich für Bilanzierer und Einnahmen-Überschuss-Rechner.
Wie lange habe ich Zeit zu investieren?
Drei Wirtschaftsjahre nach dem Abzugsjahr. Ein IAB aus 2026 muss also spätestens bis zum Ende des Wirtschaftsjahres 2029 durch eine Anschaffung gedeckt sein.
Was passiert, wenn ich nicht investiere?
Der Abzug wird rückwirkend im ursprünglichen Jahr rückgängig gemacht. Der Steuerbescheid wird geändert, die Steuer nachgefordert und ab dem 15. Monat nach Ablauf des Abzugsjahres verzinst.
Gilt der IAB auch für gebrauchte Wirtschaftsgüter?
Ja. Begünstigt sind bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens unabhängig davon, ob sie neu oder gebraucht angeschafft werden.
Kann ich den IAB für einen Firmenwagen nutzen?
Nur, wenn die betriebliche Nutzung mindestens 90 % beträgt und das nachgewiesen wird. Bei Anwendung der Ein-Prozent-Regelung gilt der Nachweis regelmäßig als nicht geführt – ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch ist dann erforderlich.
Was ist der Unterschied zwischen IAB und Sonderabschreibung?
Der IAB wirkt vor der Anschaffung und mindert den Gewinn im Planungsjahr. Die Sonderabschreibung von bis zu 40 % wirkt ab dem Anschaffungsjahr zusätzlich zur linearen Abschreibung. Beide lassen sich kombinieren.
Muss ich das geplante Wirtschaftsgut genau benennen?
Eine Benennung nach Funktion ist nicht mehr erforderlich; entscheidend ist, dass die Abzugsbeträge elektronisch übermittelt und die Investition fristgerecht getätigt wird. Eine interne Dokumentation der Planung bleibt dennoch sinnvoll.
Quellen & Rechtsgrundlagen
Alle Werte wurden am 11. August 2026 anhand der folgenden Quellen geprüft. Rechtsstand: Veranlagungszeitraum 2026.


