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Ratgeber · Steuerbescheid & Einspruch § 233a AO 0,15 % / Monat Musterschreiben

Nachzahlungszinsen: Festsetzung prüfen und angreifen

Zinsen sind kein Strafzuschlag, sondern ein Ausgleich für den Liquiditätsvorteil. Genau deshalb sind sie zu erlassen, wenn es diesen Vorteil nie gab.

Person rechnet eine Zinsfestsetzung nachDer Zinslauf beginnt 15 Monate nach Ablauf des Steuerjahres – bei späten Bescheiden summieren sich schnell mehrere Jahre.

Wer die Karenzzeit nachrechnet, findet in Zinsbescheiden erstaunlich oft Fehler. Alle Werte sind an geprüften Quellen belegt und für 2026 verifiziert.

Zuletzt fachlich geprüft am 11. August 2026 · Rechtsstand: Veranlagungszeitraum 2026

Das Wichtigste in Kürze

Führt die Festsetzung einer Steuer zu einer Nachzahlung oder Erstattung, wird der Unterschiedsbetrag nach § 233a AO verzinst. Der Zinssatz beträgt seit der Neuregelung 0,15 % je vollem Monat – das entspricht 1,8 % im Jahr. Der Zinslauf beginnt 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist. Zinsen sind keine Steuer, sondern eine steuerliche Nebenleistung; sie werden durch Zinsbescheid festgesetzt und sind mit dem Einspruch angreifbar. Ein Erlass nach § 227 AO ist möglich, wenn die Erhebung unbillig wäre.

So wird der Zinslauf berechnet

Zinslauf am Beispiel 2023
SchrittDatum
Steuer entstanden31. Dezember 2023
Karenzzeit von 15 Monaten endet31. März 2025
Zinslauf beginnt1. April 2025
Zinslauf endetmit Bekanntgabe des Steuerbescheids
  • Nur volle Monate Angefangene Monate bleiben außer Ansatz.
  • Abrundung Der zu verzinsende Betrag wird auf volle 50 € nach unten abgerundet.
  • Erstattungszinsen Zinsen zugunsten des Steuerpflichtigen sind als Kapitalerträge steuerpflichtig; Nachzahlungszinsen sind dagegen nicht abziehbar.
  • Verlängerte Karenzzeit Für Steuern aus Land- und Forstwirtschaft gelten abweichende, längere Karenzzeiten.
  • Anpassung des Zinssatzes Die Angemessenheit des Zinssatzes ist mindestens alle zwei Jahre zu überprüfen.
Häufiger Fehler: falscher Zinslaufbeginn

Bei geänderten Bescheiden und Teilzahlungen verschiebt sich die Berechnung. Der Zinsbescheid weist den Zeitraum aus – ihn nachzurechnen dauert fünf Minuten und lohnt sich regelmäßig.

Wann Zinsen zu erlassen sind

Zinsen gleichen einen Liquiditätsvorteil aus. Gab es diesen Vorteil nicht, kann ihre Erhebung sachlich unbillig sein – dann kommt ein Erlass nach § 227 AO in Betracht.

Anerkannte Fallgruppen
FallBegründung
Freiwillige VorauszahlungDer Betrag war bereits beim Finanzamt – ein Vorteil bestand nicht
Verzögerung durch die BehördeDie Bearbeitung hat sich ohne Zutun des Steuerpflichtigen erheblich verzögert
Wechselwirkende BescheideNachzahlung in einem Jahr steht einer Erstattung in einem anderen gegenüber
Fehlerhafte Beratung durch das FinanzamtEine unrichtige Auskunft hat die Nachzahlung verursacht
Freiwillig zahlen und Erlass beantragen

Wer eine Nachzahlung erwartet, kann freiwillig vorauszahlen. Für die Zeit ab Eingang der Zahlung sind die Zinsen dann regelmäßig zu erlassen.

Musterschreiben zum Anpassen

Einspruch und Erlassantrag lassen sich verbinden.

Muster · Einspruch gegen die Zinsfestsetzung
Max Mustermann · Musterstraße 1 · 12345 Musterstadt
Steuernummer: 000/000/00000
Finanzamt Musterstadt
Amtsstraße 5 · 12345 Musterstadt
Musterstadt, den 6. Juli 2026
Einspruch gegen den Bescheid über Zinsen zur Einkommensteuer 2022 vom 24. Juni 2026 sowie Antrag auf Erlass nach § 227 AO
Sehr geehrte Damen und Herren,
gegen die Festsetzung von Nachzahlungszinsen in Höhe von 1.284 € lege ich hiermit fristgerecht Einspruch ein.
Begründung: Der Zinslauf wurde vom 1. April 2024 bis zum 27. Juni 2026 berechnet. Am 12. Mai 2024 habe ich jedoch eine freiwillige Vorauszahlung in Höhe von 14.000 € geleistet, die dem Steuerkonto gutgeschrieben wurde. Ab diesem Zeitpunkt bestand kein Liquiditätsvorteil mehr.
Ich beantrage daher, die Zinsfestsetzung entsprechend herabzusetzen, hilfsweise die auf den Zeitraum ab dem 12. Mai 2024 entfallenden Zinsen aus Billigkeitsgründen nach § 227 AO zu erlassen.
Den Zahlungsnachweis füge ich bei.
Mit freundlichen Grüßen
Max Mustermann

Zinsen, Zuschläge, Verzugsfolgen

Die Nebenleistungen im Vergleich
ArtHöheAnlass
Nachzahlungszinsen § 233a AO0,15 % je vollem MonatAusgleich des Liquiditätsvorteils
Stundungszinsen § 234 AO0,5 % je vollem Monatbewilligte Stundung
Aussetzungszinsen § 237 AO0,5 % je vollem Monaterfolgloser Einspruch nach AdV
Säumniszuschläge § 240 AO1 % je angefangenem Monatverspätete Zahlung
Verspätungszuschlag § 152 AO0,25 % je Monat, mind. 25 €verspätete Abgabe
Aussetzungszinsen mitdenken

Wer die Vollziehung aussetzen lässt und den Einspruch später verliert, zahlt 0,5 % je Monat auf den ausgesetzten Betrag. Bei geringen Erfolgsaussichten kann Zahlen günstiger sein.

Rechenbeispiel

Zinsen nach freiwilliger Vorauszahlung

Nachzahlung 14.000 € für 2022, Bescheid im Juni 2026, freiwillige Zahlung im Mai 2024.

Zinslauf laut BescheidApril 2024 bis Juni 2026 = 26 Monate
Zinsen laut Bescheid1.284 €
Freiwillige Zahlung12. Mai 2024
Verbleibender Zinszeitraum1 Monat
Zinsen nach Erlassrund 21 €
Erlassbetragrund 1.263 €

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Schritt für Schritt

9 Punkte · Steuerbescheid & Einspruch
  • 1. Zinsbescheid heraussuchenZeitraum und Bemessungsgrundlage notieren.
  • 2. Karenzzeit nachrechnen15 Monate nach Ablauf des Steuerjahres.
  • 3. Volle Monate zählenAngefangene Monate zählen nicht.
  • 4. Abrundung prüfenAuf volle 50 € nach unten.
  • 5. Eigene Zahlungen abgleichenFreiwillige Vorauszahlungen mindern den Vorteil.
  • 6. Bearbeitungsdauer bewertenLange Untätigkeit spricht für einen Erlass.
  • 7. Einspruch innerhalb eines MonatsZinsbescheide sind eigenständig anfechtbar.
  • 8. Erlassantrag hilfsweise stellen§ 227 AO im selben Schreiben.
  • 9. Erstattungszinsen versteuernSie gehören in die Anlage KAP.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie hoch sind Nachzahlungszinsen?

0,15 % je vollem Monat, also 1,8 % im Jahr. Der Zinssatz gilt seit der gesetzlichen Neuregelung und ist regelmäßig auf seine Angemessenheit zu überprüfen.

Wann beginnt der Zinslauf?

15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist. Für die Einkommensteuer 2023 also am 1. April 2025.

Sind Nachzahlungszinsen absetzbar?

Nein. Nachzahlungszinsen sind steuerlich nicht abziehbar. Erstattungszinsen sind umgekehrt als Kapitalerträge zu versteuern.

Kann ich gegen die Zinsfestsetzung Einspruch einlegen?

Ja. Zinsen werden durch eigenen Bescheid festgesetzt, der innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe mit dem Einspruch angefochten werden kann.

Wann werden Zinsen erlassen?

Wenn ihre Erhebung nach Lage des Einzelfalls unbillig wäre – etwa nach freiwilliger Vorauszahlung, bei erheblicher Bearbeitungsverzögerung der Behörde oder bei wechselwirkenden Bescheiden.

Wie vermeide ich Nachzahlungszinsen?

Durch eine freiwillige Vorauszahlung in Höhe der erwarteten Nachzahlung oder durch eine rechtzeitige Anpassung der Vorauszahlungen nach § 37 EStG.

Was ist der Unterschied zu Säumniszuschlägen?

Zinsen gleichen einen Liquiditätsvorteil aus und betragen 0,15 % je vollem Monat. Säumniszuschläge sind ein Druckmittel bei verspäteter Zahlung und betragen 1 % je angefangenem Monat.

Quellen & Rechtsgrundlagen

Alle Werte wurden am 11. August 2026 anhand der folgenden Quellen geprüft. Rechtsstand: Veranlagungszeitraum 2026.

  1. § 233a AO – Verzinsung von Steuernachforderungen und Steuererstattungen. Gesetze im Internet, Bundesamt für Justiz.
  2. § 238 AO – Höhe und Berechnung der Zinsen. Gesetze im Internet.
  3. § 227 AO – Erlass aus Billigkeitsgründen. Gesetze im Internet.
SteuerNest Redaktion
Klar. Digital. Steuerrecht.

Wir übersetzen Steuerrecht in verständliche Sprache und prüfen jede Zahl gegen die Primärquelle. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung durch Steuerberater, Rechtsanwalt oder Lohnsteuerhilfeverein.

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