Die Wahl der Rechtsform ist eine der ersten – und wichtigsten – Entscheidungen jeder Gründung. Sie bestimmt, mit welchem Vermögen du haftest, wie viel Startkapital du brauchst und wie aufwendig deine Buchhaltung wird.
Zuletzt fachlich geprüft am 12. Juli 2026 · Rechtsstand: Veranlagungszeitraum 2026
Für Solo-Gründer ohne großes Haftungsrisiko ist das Einzelunternehmen der einfachste Einstieg: kein Startkapital, EÜR statt Bilanz. Sobald mehrere Personen gründen (GbR) oder die Haftung begrenzt werden soll (UG/GmbH), steigt der Aufwand – dafür sinkt das persönliche Risiko. Die UG lässt sich schon ab 1 € Stammkapital gründen, die GmbH verlangt 25.000 €.
Die vier häufigsten Rechtsformen
Grob unterscheidet man Personengesellschaften (Einzelunternehmen, GbR), bei denen du persönlich und unbeschränkt haftest, und Kapitalgesellschaften (UG, GmbH), bei denen die Haftung grundsätzlich auf das Gesellschaftsvermögen begrenzt ist. Der Preis für die Haftungsbegrenzung sind höhere Gründungs- und Verwaltungskosten.
| Einzelunternehmen | GbR | UG / GmbH | |
|---|---|---|---|
| Startkapital | keins | keins | UG ab 1 €, GmbH 25.000 € |
| Haftung | persönlich, unbeschränkt | persönlich, gesamtschuldnerisch | grundsätzlich auf Gesellschaftsvermögen begrenzt |
| Gründung | formlos, Gewerbeanmeldung | formlos (GbR-Vertrag empfohlen) | notariell + Handelsregister |
| Buchhaltung | EÜR (bei kleinen Umsätzen) | EÜR möglich | doppelte Buchführung, Jahresabschluss |
| Steuern | Einkommensteuer | Einkommensteuer je Gesellschafter | Körperschaft- & Gewerbesteuer |
Einzelunternehmen: der unkomplizierte Einstieg
Das Einzelunternehmen ist die mit Abstand häufigste Form für Solo-Selbständige und Nebengewerbe. Es entsteht schlicht mit der Aufnahme der Tätigkeit – bei gewerblicher Tätigkeit ergänzt um die Gewerbeanmeldung. Es gibt kein Mindestkapital, und solange du kein Kaufmann im Sinne des HGB bist, genügt die Einnahmen-Überschuss-Rechnung.
Der Nachteil: Du haftest mit deinem gesamten Privatvermögen. Für risikoarme Tätigkeiten – Beratung, Text, Design, Handwerk mit Versicherung – ist das in der Praxis meist vertretbar.
GbR: gründen zu zweit oder mehr
Sobald sich mindestens zwei Personen zusammentun, entsteht automatisch eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Auch sie braucht kein Startkapital. Wichtig: Alle Gesellschafter haften gesamtschuldnerisch – jeder haftet also für die Schulden der gesamten GbR. Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag, der Einlagen, Gewinnverteilung und Ausstieg regelt, ist dringend zu empfehlen.
UG und GmbH: Haftung begrenzen
Die UG (haftungsbeschränkt) ist die „kleine GmbH": Gründung ab 1 € Stammkapital möglich, dafür muss ein Viertel des Jahresgewinns angespart werden, bis 25.000 € erreicht sind. Die GmbH verlangt 25.000 € Stammkapital (mindestens die Hälfte bei Gründung eingezahlt). Beide werden notariell beurkundet und ins Handelsregister eingetragen, führen doppelte Buchführung und zahlen Körperschaftsteuer plus Gewerbesteuer.
Frag dich zuerst: Wie hoch ist mein Haftungsrisiko, und gründe ich allein oder im Team? Risikoarm und allein → Einzelunternehmen. Im Team → GbR. Hohes Haftungsrisiko oder Investoren geplant → UG/GmbH. Eine spätere Umwandlung ist möglich, aber mit Kosten verbunden.
Steuerliche Unterschiede kurz erklärt
Bei Einzelunternehmen und GbR fließt der Gewinn direkt in deine Einkommensteuer – der persönliche Steuersatz greift. Bei UG und GmbH zahlt zunächst die Gesellschaft rund 15 % Körperschaftsteuer plus Gewerbesteuer; erst bei Ausschüttung an dich kommt Abgeltung- bzw. Einkommensteuer hinzu. Gewerbliche Einzelunternehmen profitieren beim Gewerbesteuer-Freibetrag von 24.500 €, den Kapitalgesellschaften nicht haben.
Deine Checkliste: Rechtsform festlegen
Hak ab, was auf dich zutrifft – dein Fortschritt wird automatisch gespeichert.
Was du zusammenstellen solltest
6 Punkte · Vor der Gründung- Haftungsrisiko einschätzenWie groß ist der mögliche Schaden bei Fehlern?
- Allein oder im Team?Ab zwei Personen entsteht automatisch eine GbR.
- Startkapital prüfenUG ab 1 €, GmbH 25.000 € Stammkapital.
- Buchhaltungsaufwand bedenkenEÜR vs. doppelte Buchführung.
- Gesellschaftsvertrag aufsetzenBei GbR, UG und GmbH unverzichtbar.
- Notar- und Registerkosten kalkulierenNur bei UG und GmbH relevant.
Häufige Fragen (FAQ)
Welche Rechtsform ist für Solo-Gründer am einfachsten?
In den meisten Fällen das Einzelunternehmen: keine Mindesteinlage, einfache Gewinnermittlung per EÜR und eine unkomplizierte Anmeldung. Erst bei erhöhtem Haftungsrisiko lohnt der Wechsel zu einer UG oder GmbH.
Wie viel Stammkapital braucht eine UG?
Rechnerisch genügt 1 € je Gesellschafter. In der Praxis solltest du genug einzahlen, um die Gründungs- und Anlaufkosten zu decken – sonst ist die UG von Beginn an überschuldet.
Muss ich als GbR eine Gewerbeanmeldung machen?
Ja, wenn die GbR gewerblich tätig ist. Rein freiberufliche GbRs (z. B. mehrere Designer) melden lediglich beim Finanzamt an, brauchen aber keine Gewerbeanmeldung.
Kann ich die Rechtsform später wechseln?
Ja. Viele starten als Einzelunternehmen und wandeln später in eine UG oder GmbH um. Der Wechsel ist möglich, verursacht aber Notar-, Register- und ggf. Beratungskosten.
Zahlt eine GmbH mehr Steuern als ein Einzelunternehmen?
Nicht pauschal. Bei niedrigem Gewinn ist das Einzelunternehmen oft günstiger, weil der Grundfreibetrag greift. Bei hohen, im Unternehmen verbleibenden Gewinnen kann die Kapitalgesellschaft durch die niedrigere Thesaurierungsbelastung vorteilhaft sein.
Quellen & Rechtsgrundlagen
Alle Werte wurden am 12. Juli 2026 anhand der folgenden Primär- und Fachquellen geprüft. Rechtsstand: Veranlagungszeitraum 2026.


