Seit der Reform gilt: Entweder das Arbeitszimmer ist der Mittelpunkt der Tätigkeit – oder es zählt die Tagespauschale. Der BFH schärft die Kriterien.
Zuletzt fachlich geprüft am 26. Juni 2026 · Rechtsstand: Veranlagungszeitraum 2026
Ein häusliches Arbeitszimmer ist in voller Höhe abziehbar, wenn es den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Betätigung bildet. Andernfalls kann für die Tätigkeit zu Hause die Tagespauschale von 6 € pro Tag, höchstens 1.260 € im Jahr (210 Tage) angesetzt werden. Der BFH betont, dass es auf den qualitativen Schwerpunkt der Tätigkeit ankommt, nicht allein auf die im Homeoffice verbrachte Zeit.
Zwei Wege seit der Reform
Seit der Neuregelung gibt es beim häuslichen Arbeiten zwei getrennte Abzugswege. Entweder das Arbeitszimmer bildet den Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit – dann sind die tatsächlichen Kosten (anteilige Miete, Nebenkosten, Abschreibung) unbegrenzt abziehbar. Oder es liegt kein solcher Mittelpunkt vor – dann kommt nur die Tagespauschale in Betracht.
Die frühere Zwischenstufe – begrenzter Abzug bis 1.250 €, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stand – ist entfallen. Die Tagespauschale kann auch angesetzt werden, wenn ein anderer Arbeitsplatz vorhanden ist.
Wann das Arbeitszimmer „Mittelpunkt“ ist
Der BFH stellt klar: Maßgeblich ist der qualitative Schwerpunkt der beruflichen Tätigkeit. Es kommt darauf an, ob die für den Beruf prägenden Handlungen im Arbeitszimmer erbracht werden – nicht allein darauf, an wie vielen Tagen dort gearbeitet wird.
- Mittelpunkt bejaht: Wer den Kern seiner Tätigkeit (z. B. Analyse, Beratung, Erstellung von Gutachten) zu Hause erbringt, kann den vollen Abzug beanspruchen.
- Mittelpunkt verneint: Bei Außendiensttätigkeiten oder überwiegender Arbeit beim Kunden bleibt es bei der Tagespauschale, selbst wenn zu Hause vor- und nachbereitet wird.
Der zeitliche Umfang der Heimarbeit ist nur ein Anhaltspunkt. Entscheidend bleibt, wo die inhaltlich prägenden Leistungen erbracht werden. Diese Wertung nimmt das Finanzamt im Einzelfall vor.
Nachweise und Abgrenzung
Für den vollen Abzug sind die tatsächlichen Kosten zu belegen: Mietvertrag bzw. Eigentumsnachweis, Wohnflächenberechnung zur Ermittlung des Arbeitszimmeranteils, Nebenkostenabrechnungen. Das Zimmer muss nahezu ausschließlich beruflich genutzt werden; eine Arbeitsecke im Wohnraum genügt nicht.
Für die Tagespauschale genügt die Aufzeichnung der Tage, an denen die Tätigkeit überwiegend zu Hause ausgeübt wurde. Ein separates Zimmer ist dafür nicht erforderlich.
Bildet das Arbeitszimmer den Mittelpunkt, ist der volle Abzug deutlich günstiger. Fehlt der Mittelpunkt, bleibt die Tagespauschale – oft immer noch besser als kein Abzug.
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Arbeitszimmer richtig absetzen
8 Punkte- Mittelpunkt prüfenWo liegt der qualitative Schwerpunkt?
- Raum abgrenzenNahezu ausschließlich berufliche Nutzung?
- Kosten sammelnMiete, Nebenkosten, AfA, Wohnfläche.
- Tagespauschale alternativ6 €/Tag, max. 1.260 € (210 Tage).
- Homeoffice-Tage notierenAufzeichnung führen.
- Günstiger rechnenVoller Abzug vs. Pauschale vergleichen.
- Doppelerfassung vermeidenPauschale und Pendlerpauschale-Regeln beachten.
- Belege aufbewahrenFür Rückfragen des Finanzamts.
Häufige Fragen (FAQ)
Wann ist das Arbeitszimmer voll abziehbar?
Wenn es den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Betätigung bildet. Dann sind die tatsächlichen Kosten ohne Höchstbetrag abziehbar.
Was hat der BFH konkretisiert?
Der BFH betont, dass für den Mittelpunkt der qualitative Schwerpunkt der Tätigkeit entscheidend ist – also wo die prägenden Leistungen erbracht werden – und nicht allein der zeitliche Umfang der Heimarbeit.
Was ist die Tagespauschale?
Sie beträgt 6 € für jeden Kalendertag, an dem die Tätigkeit überwiegend in der häuslichen Wohnung ausgeübt wird, höchstens 1.260 € im Jahr (entspricht 210 Tagen). Ein separates Arbeitszimmer ist dafür nicht nötig.
Brauche ich für die Tagespauschale ein eigenes Zimmer?
Nein. Die Tagespauschale steht auch zu, wenn du am Küchentisch oder in einer Arbeitsecke arbeitest. Entscheidend ist, dass die Tätigkeit an dem Tag überwiegend zu Hause ausgeübt wurde.
Kann ich Pauschale und vollen Abzug kombinieren?
Nein. Für denselben Zeitraum ist entweder der volle Arbeitszimmerabzug oder die Tagespauschale möglich. Du wählst die für dich günstigere Variante.
Gilt die Regelung auch für Arbeitnehmer?
Ja. Sowohl Arbeitnehmer als auch Selbständige können die Regelungen nutzen. Bei Arbeitnehmern wirken sich die Kosten als Werbungskosten aus.
Was zählt zu den abziehbaren Raumkosten?
Anteilige Miete oder Gebäude-AfA, Nebenkosten wie Heizung und Strom, Reinigung sowie Renovierungskosten des Raums – jeweils im Verhältnis der Arbeitszimmerfläche zur Gesamtwohnfläche.
Schließt ein anderer Arbeitsplatz den Abzug aus?
Für die Tagespauschale nicht mehr. Sie kann auch angesetzt werden, wenn dir beim Arbeitgeber ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht, du aber überwiegend zu Hause arbeitest.
Wie weise ich den Mittelpunkt nach?
Über eine nachvollziehbare Darstellung deiner Tätigkeit: Welche Aufgaben prägen den Beruf und wo werden sie erbracht? Ergänzend dienen Zeitaufzeichnungen und die Beschreibung des Arbeitsablaufs.
Wo ist der Abzug gesetzlich geregelt?
Die Regelungen ergeben sich aus § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b und 6c EStG in Verbindung mit § 9 EStG für Werbungskosten. Die Auslegung wird durch die Rechtsprechung des BFH präzisiert.
Quellen & Rechtsgrundlagen
Alle Angaben wurden am 26. Juni 2026 anhand der folgenden Quellen geprüft. Rechtsstand: Veranlagungszeitraum 2026.


