Wer die Steuererklärung eines Angehörigen übernimmt, braucht eine Legitimation gegenüber dem Finanzamt: eine Vollmacht nach § 80 AO, eine rechtliche Betreuung mit passendem Aufgabenkreis oder – im Erbfall – die Stellung als Gesamtrechtsnachfolger.
Zuletzt fachlich geprüft am 21. Juli 2026 · Rechtsstand: 2026
Um für einen Angehörigen zu handeln, brauchst du eine Vollmacht (§ 80 AO), eine rechtliche Betreuung mit Aufgabenkreis "Behördenangelegenheiten" oder – nach dem Tod – die Stellung als Erbe. Eine Empfangsvollmacht sorgt dafür, dass Bescheide direkt an dich gehen. Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine nutzen die ELSTER-Vollmachtsdatenbank. Als Bevollmächtigter machst du keine eigene Steuer, sondern handelst im Namen des Angehörigen – im Erbfall haftest du für dessen Steuern aus dem Nachlass.
Drei mögliche Rollen
Bevor du tätig wirst, kläre, in welcher Rolle du handelst – davon hängt ab, welche Unterlagen das Finanzamt verlangt:
| Rolle | Legitimation |
|---|---|
| Bevollmächtigter (Angehöriger lebt und ist einwilligungsfähig) | schriftliche Vollmacht (§ 80 AO) |
| Rechtlicher Betreuer | Betreuerausweis mit passendem Aufgabenkreis |
| Erbe (nach dem Tod) | Erbschein / Testament (Gesamtrechtsnachfolge, § 45 AO) |
Die Vollmacht nach § 80 AO
Solange dein Angehöriger einwilligungsfähig ist, genügt eine schriftliche Vollmacht nach § 80 AO. Sie berechtigt dich, im steuerlichen Verfahren aufzutreten: Erklärungen einzureichen, Belege nachzureichen und Auskünfte einzuholen. Die Vollmacht sollte Umfang (z. B. "sämtliche steuerlichen Angelegenheiten") und Geltungsdauer benennen und vom Vollmachtgeber unterschrieben sein.
Unser Vollmacht-Muster fürs Finanzamt enthält alle nötigen Angaben inklusive Empfangs- und Bekanntgabevollmacht – anpassen, unterschreiben, einreichen.
Empfangs- und Bekanntgabevollmacht
Willst du auch die Post vom Finanzamt erhalten, ist eine ausdrückliche Bekanntgabe- oder Empfangsvollmacht nötig. Nur dann werden Steuerbescheide wirksam an dich bekannt gegeben – wichtig, damit du Fristen (etwa die Einspruchsfrist von einem Monat) sicher wahren kannst. Ohne diese Vollmacht gehen Bescheide weiterhin direkt an den Angehörigen.
Wenn eine rechtliche Betreuung besteht
Kann der Angehörige seine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln, handelt der vom Betreuungsgericht bestellte rechtliche Betreuer – vorausgesetzt, sein Aufgabenkreis umfasst "Vermögenssorge" oder "Behördenangelegenheiten". Als Nachweis dient der Betreuerausweis. Eine bereits erteilte Vorsorgevollmacht kann eine gerichtliche Betreuung entbehrlich machen, wenn sie die steuerlichen Angelegenheiten abdeckt.
Die Steuererklärung im Erbfall
Mit dem Tod gehen die steuerlichen Pflichten des Verstorbenen auf die Erben über (Gesamtrechtsnachfolge, § 45 AO). Die Erben müssen eine noch offene Steuererklärung des Erblassers abgeben und schulden eine sich ergebende Nachzahlung aus dem Nachlass – umgekehrt steht ihnen eine Erstattung zu. Bei mehreren Erben handelt die Erbengemeinschaft gemeinsam; als Nachweis dient der Erbschein oder ein notarielles Testament.
Haftung & Grenzen
Als reiner Bevollmächtigter gibst du keine eigene Erklärung ab – die steuerlichen Folgen treffen den Angehörigen. Als Erbe haftest du dagegen für dessen Steuerschulden, allerdings kannst du die Haftung auf den Nachlass beschränken (§ 1975 BGB). Die steuerliche Beratung gegen Entgelt ist Steuerberatern und Lohnsteuerhilfevereinen vorbehalten (Steuerberatungsgesetz) – die reine familiäre Unterstützung ohne Vergütung ist zulässig.
Eine Vollmacht kann nur ein einwilligungsfähiger Mensch erteilen. Kümmere dich frühzeitig darum – ist der Angehörige nicht mehr geschäftsfähig, bleibt nur der Weg über das Betreuungsgericht.
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Für Angehörige handeln
7 Punkte · § 80 AO- Rolle bestimmtBevollmächtigter, Betreuer oder Erbe?
- Vollmacht eingeholtSchriftlich, mit Umfang & Datum.
- Empfangsvollmacht ergänztDamit Bescheide an dich gehen.
- Betreuerausweis geprüftAufgabenkreis passend?
- Unterlagen gesammeltBelege des Angehörigen.
- Fristen notiertAbgabe- und Einspruchsfristen.
- Erbnachweis bereitErbschein/Testament im Erbfall.
Häufige Fragen (FAQ)
Darf ich die Steuererklärung für meine Eltern machen?
Ja. Mit einer schriftlichen Vollmacht nach § 80 AO kannst du im steuerlichen Verfahren für sie auftreten, Erklärungen einreichen und Auskünfte einholen. Ohne Vergütung ist diese familiäre Hilfe zulässig.
Wie bekomme ich die Bescheide direkt zugeschickt?
Über eine ausdrückliche Empfangs- oder Bekanntgabevollmacht. Nur dann werden Steuerbescheide wirksam an dich bekannt gegeben – wichtig, um Fristen wie die einmonatige Einspruchsfrist zu wahren.
Was gilt, wenn mein Angehöriger nicht mehr geschäftsfähig ist?
Dann kann er keine Vollmacht mehr erteilen. Es handelt der rechtliche Betreuer mit passendem Aufgabenkreis (Betreuerausweis) oder ein Bevollmächtigter aus einer früher erteilten Vorsorgevollmacht, sofern diese die steuerlichen Angelegenheiten abdeckt.
Muss ich als Erbe die Steuererklärung des Verstorbenen abgeben?
Ja. Die steuerlichen Pflichten gehen auf die Erben über (§ 45 AO). Eine offene Erklärung des Erblassers ist abzugeben; eine Nachzahlung wird aus dem Nachlass geschuldet, eine Erstattung steht den Erben zu.
Hafte ich für die Steuerschulden meines Angehörigen?
Als reiner Bevollmächtigter nicht – die Folgen treffen den Vollmachtgeber. Als Erbe haftest du für die Steuerschulden, kannst die Haftung aber auf den Nachlass beschränken (§ 1975 BGB).
Quellen & Rechtsgrundlagen
Alle Angaben wurden am 21. Juli 2026 anhand der folgenden Quellen geprüft. Rechtsstand: 2026.


