Der Nachweis liegt beim Leistenden – das Risiko beim Empfänger. Deshalb gehört die Bescheinigung in jeden Onboarding-Prozess für neue Dienstleister.
Zuletzt fachlich geprüft am 28. Juli 2026 · Rechtsstand: Veranlagungszeitraum 2026
Bei bestimmten Leistungen geht die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger über (§ 13b UStG). Ob die Regel greift, hängt oft an der Ansässigkeit des Leistenden. Ist sie zweifelhaft, schuldet der Empfänger die Umsatzsteuer nur dann nicht, wenn der Leistende eine aktuelle Bescheinigung seines Finanzamts nach amtlich vorgeschriebenem Muster über die Ansässigkeit im Inland vorlegt. 2026 wurden dafür neue Muster bekannt gegeben.
Wann die Bescheinigung nötig ist
Der Übergang der Steuerschuld nach § 13b UStG setzt bei vielen Tatbeständen voraus, dass der leistende Unternehmer im Ausland ansässig ist – etwa bei Werklieferungen und sonstigen Leistungen ausländischer Unternehmer. Umgekehrt bleibt es bei inländischer Ansässigkeit beim normalen Verfahren: Der Leistende weist Umsatzsteuer aus, der Empfänger zieht Vorsteuer.
Problematisch sind die Grauzonen: Betriebsstätten, Zweigniederlassungen, ausländische Gesellschaften mit inländischer Adresse, Bau- und Montageleistungen. Für diese Fälle sieht das Gesetz die Bescheinigung des zuständigen Finanzamts vor. Ohne sie geht das Gesetz im Zweifel zulasten des Leistungsempfängers.
Rechnet der Leistende mit Umsatzsteuer ab, obwohl er im Ausland ansässig ist, ist der Vorsteuerabzug des Empfängers gefährdet – und zugleich schuldet der Empfänger die Steuer nach § 13b. Doppeltes Risiko, ein Blatt Papier als Lösung.
Das amtliche Muster – und seine Grenzen
Die Bescheinigung wird vom zuständigen Finanzamt des Leistenden ausgestellt und muss dem amtlich vorgeschriebenen Muster entsprechen. Für 2026 hat die Verwaltung aktualisierte Vordrucke bekannt gegeben. Freitextbestätigungen, Handelsregisterauszüge oder eine USt-IdNr. ersetzen sie nicht.
| Punkt | Anforderung |
|---|---|
| Ausstellendes Amt | zuständiges Finanzamt des leistenden Unternehmers |
| Form | amtlich vorgeschriebenes Muster, aktuelle Fassung |
| Aktualität | muss zum Zeitpunkt der Leistung gültig sein |
| Aufbewahrung | beim Leistungsempfänger, GoBD-konform zum Umsatz |
| Nicht ausreichend | USt-IdNr., Gewerbeanmeldung, Eigenerklärung, Registerauszug |
Umsetzung im Betrieb
Baue die Bescheinigung in den Lieferanten-Onboarding-Prozess ein: Wer neu abrechnet und im Zweifelsbereich liegt, liefert die Bescheinigung mit der ersten Rechnung. Hinterlege sie in den Stammdaten mit Gültigkeitsdatum und setze eine Wiedervorlage.
Für Bauleistungen gilt daneben die eigene Freistellungsbescheinigung zur Bauabzugsteuer – zwei verschiedene Papiere, die häufig verwechselt werden. Und bei ausländischen Plattformen prüfe zusätzlich, ob eine Leistungskommission oder das Reverse-Charge-Verfahren nach den allgemeinen Regeln greift.
Selbst betroffen? So beantragst du sie
Auch als leistender Unternehmer kann die Bescheinigung nötig sein – etwa wenn du im Ausland eine Betriebsstätte hast und deutsche Kunden Sicherheit verlangen. Stelle einen schriftlichen Antrag beim für dich zuständigen Finanzamt, benenne den Zeitraum und die betroffenen Auftraggeber und weise die inländische Ansässigkeit nach (Geschäftsräume, Personal, Registerdaten).
Rechne mit einer befristeten Gültigkeit. Beantrage die Verlängerung frühzeitig, damit zwischen zwei Bescheinigungen keine Lücke entsteht – genau in dieser Lücke entstehen die Streitfälle.
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§ 13b sicher abwickeln
6 Punkte- 1. Ansässigkeit prüfenSitz, Geschäftsleitung, Betriebsstätte des Leistenden.
- 2. Bescheinigung anfordernAmtliches Muster, aktuelle Fassung, gültig zum Leistungszeitpunkt.
- 3. Stammdaten pflegenGültigkeit hinterlegen, Wiedervorlage setzen.
- 4. Rechnung kontrollierenHinweis auf Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers?
- 5. Voranmeldung korrekt füllen§-13b-Umsätze in den richtigen Kennzahlen.
- 6. ArchivierenBescheinigung dem Umsatz zuordnen, GoBD-konform.
Häufige Fragen (FAQ)
Wozu dient die Ansässigkeitsbescheinigung?
Sie belegt, dass der leistende Unternehmer im Inland ansässig ist. Damit greift die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers nicht.
Genügt die USt-IdNr. als Nachweis?
Nein. Erforderlich ist die Bescheinigung des Finanzamts nach amtlich vorgeschriebenem Muster.
Wie lange ist sie gültig?
Sie wird befristet erteilt und muss zum Zeitpunkt der Leistung gültig sein. Beantrage Verlängerungen frühzeitig.
Was passiert ohne Bescheinigung?
Bei Zweifeln an der Ansässigkeit schuldet der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer – zusätzlich zum Risiko beim Vorsteuerabzug.
Wer stellt sie aus?
Das für den leistenden Unternehmer zuständige Finanzamt, auf Antrag.
Quellen & Rechtsgrundlagen
Alle Angaben wurden am 28. Juli 2026 anhand der folgenden Quellen geprüft. Rechtsstand: Veranlagungszeitraum 2026.


