Der Zweck der Vorschrift ist der Schutz des Steueraufkommens vor unberechtigtem Vorsteuerabzug. Wo kein Vorsteuerabzug möglich ist, entfällt dieses Risiko – und mit ihm die Steuerschuld.
Fachlich geprüft · Rechtsstand: 18. August 2026
Der BFH hat klargestellt, dass § 14c Abs. 1 UStG bei einer Rechnungserteilung an Endverbraucher keine Steuerschuld begründet. Anlass war ein Verfahren zur Besteuerung von Appstore-Umsätzen nach der Rechtslage bis 31. Dezember 2014 – Folgeentscheidung zum EuGH-Urteil Xyrality (C-101/24). Für Unternehmen mit Endkundengeschäft sinkt damit ein bislang erhebliches Risiko.
Was sich ändert
Bisher galt: Wer in einer Rechnung mehr Umsatzsteuer ausweist, als gesetzlich geschuldet ist, schuldet auch den Mehrbetrag – bis zur Berichtigung der Rechnung. Bei tausenden Kleinbetragsrechnungen an Privatkunden war die Berichtigung praktisch kaum leistbar.
Der BFH schränkt das nun ein: Bei Rechnungen an Endverbraucher besteht keine Gefahr eines unberechtigten Vorsteuerabzugs, weshalb die Vorschrift nicht greift.
Der Hintergrund des Verfahrens
Das Verfahren betraf die umsatzsteuerliche Behandlung von Umsätzen über einen Appstore nach der Rechtslage bis Ende 2014 und damit die Frage, wer Leistender ist und wo der Leistungsort liegt. Der BFH hat dazu zu § 3 Abs. 11 UStG Stellung genommen – noch vor Inkrafttreten des § 3a Abs. 5 UStG ab 2015.
- 1. Leistungskette klären: Wer erbringt die Leistung an den Endkunden?
- 2. Leistungsort bestimmen: Rechtslage bis 2014 und ab 2015 unterscheiden;
- 3. Rechnungen prüfen: Steuerausweis und Empfängerkreis;
- 4. Offene Verfahren nutzen: Einspruch und Ruhen des Verfahrens.
Was Unternehmen jetzt prüfen sollten
Wer in Betriebsprüfungen mit einer Nachforderung nach § 14c UStG konfrontiert ist, sollte die Zusammensetzung der Rechnungsempfänger auswerten. Für den Anteil der Privatkunden lässt sich mit der neuen Rechtsprechung argumentieren.
Bei gemischten Kundenstrukturen bleibt eine Trennung nötig: Für Rechnungen an Unternehmen gilt die Vorschrift unverändert.
Auch ohne Steuerschuld ist eine korrekte Rechnung im Interesse des Unternehmens – etwa für die Preiskalkulation und die Buchführung. Passe Vorlagen und Kassensysteme an.
Deine Checkliste: Steuerausweis prüfen
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Steuerausweis prüfen
5 Punkte · § 14c UStG, § 14 UStG- 1. Empfängerkreis auswertenAnteil Privatkunden und Unternehmen bestimmen.
- 2. Steuersätze kontrollieren7 % oder 19 % je Leistung.
- 3. Rechnungsvorlagen anpassenKasse, Shop, Fakturierung.
- 4. Nachforderungen prüfenArgumentation nach neuer Rechtsprechung.
- 5. Einspruch fristgerechtEin Monat ab Bekanntgabe.
Häufige Fragen (FAQ)
Gilt das für alle Rechnungen?
Nein. Nur für Rechnungen an Endverbraucher. Bei Rechnungen an Unternehmen bleibt § 14c Abs. 1 UStG anwendbar.
Muss ich Rechnungen dennoch berichtigen?
Steuerlich entfällt der Zwang bei Endkundenrechnungen. Für eine korrekte Buchführung und Kalkulation ist die Korrektur trotzdem sinnvoll.
Was war der Ausgangsfall?
Ein Verfahren zu Appstore-Umsätzen nach der Rechtslage bis 31. Dezember 2014, das der BFH im Anschluss an das EuGH-Urteil Xyrality entschieden hat.
Wirkt die Änderung auf alte Jahre?
Sie kann in allen noch offenen Fällen angewendet werden. Bestandskräftige Festsetzungen bleiben grundsätzlich unverändert.
Quellen & Rechtsgrundlagen
Geprüft am 18. August 2026 anhand der folgenden Quellen. Entscheidungen und Gesetzgebungsverfahren können sich kurzfristig ändern – prüfe den Stand anhand der Primärquellen.

