Die Restschuldbefreiung ist das Versprechen des deutschen Insolvenzrechts: Wer sich drei Jahre lang redlich verhält, wird von seinen restlichen Schulden befreit – ein zweiter wirtschaftlicher Anlauf für natürliche Personen.
Zuletzt geprüft am 22. Juli 2026 · Rechtsstand 2026
Nur natürliche Personen erhalten Restschuldbefreiung – nicht die GmbH selbst, wohl aber der persönlich haftende oder bürgende Gesellschafter. Mit dem Insolvenzantrag ist ein Antrag auf Restschuldbefreiung nebst Abtretungserklärung zu stellen (§ 287 InsO). Die Frist beträgt seit 2020 einheitlich drei Jahre ab Eröffnung. Am Ende erteilt das Gericht die Befreiung (§ 300 InsO) – vorbehaltlich Versagungsgründen.
Ablauf & Wohlverhaltensphase
Nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens läuft die Wohlverhaltensphase. Das pfändbare Einkommen wird an einen Treuhänder abgetreten und an die Gläubiger verteilt. Nach drei Jahren wird über die Erteilung entschieden.
Obliegenheiten (§ 295 InsO)
- angemessene Erwerbstätigkeit ausüben oder sich um sie bemühen,
- die Hälfte einer Erbschaft an den Treuhänder herausgeben,
- Wohnsitz-/Arbeitsplatzwechsel mitteilen,
- keine Gläubiger bevorzugen, Auskunft erteilen.
Versagungsgründe & ausgenommene Forderungen
| Grund | Norm |
|---|---|
| Insolvenzstraftat (z. B. Bankrott) | § 290 Abs. 1 Nr. 1 InsO |
| falsche Angaben zur Krediterlangung | § 290 Abs. 1 Nr. 2 InsO |
| Verletzung von Auskunfts-/Mitwirkungspflichten | § 290 Abs. 1 Nr. 5 InsO |
| ausgenommen: Forderungen aus vorsätzlicher unerlaubter Handlung, Geldstrafen, Steuerstraftaten | § 302 InsO |
Auch nach erteilter Restschuldbefreiung bestehen bestimmte Forderungen fort – insbesondere aus vorsätzlicher unerlaubter Handlung, Geldstrafen/-bußen und hinterzogenen Steuern (§ 302 InsO). Sie müssen im Verfahren als solche angemeldet werden.
Rechtsprechung
Die Versagung wegen Obliegenheitsverletzung setzt einen Antrag eines Gläubigers und dessen Glaubhaftmachung voraus – das Gericht prüft nicht von Amts wegen.
Wer sich auf § 302 InsO berufen will, muss die Forderung nach Grund (vorsätzliche unerlaubte Handlung) im Verfahren anmelden – sonst wird sie von der Befreiung erfasst.
Häufige Fragen (FAQ)
Bekommt die GmbH selbst Restschuldbefreiung?
Nein. Nur natürliche Personen. Die GmbH wird nach Abschluss des Verfahrens gelöscht. Der Gesellschafter-Geschäftsführer kann die Befreiung aber für seine persönlichen Schulden (z. B. Bürgschaften) erlangen.
Wie lange dauert die Restschuldbefreiung?
Seit der Reform 2020 einheitlich drei Jahre ab Verfahrenseröffnung – unabhängig von einer Mindestquote.
Welche Pflichten habe ich in der Wohlverhaltensphase?
Vor allem eine Erwerbsobliegenheit, die Herausgabe der Hälfte einer Erbschaft, Mitteilungspflichten und das Verbot der Gläubigerbevorzugung (§ 295 InsO).
Welche Schulden bleiben trotz Befreiung?
Forderungen aus vorsätzlicher unerlaubter Handlung, Geldstrafen und -bußen sowie hinterzogene Steuern (§ 302 InsO) – sofern korrekt angemeldet.
Kann mir die Befreiung versagt werden?
Ja, auf Gläubigerantrag bei Versagungsgründen (§ 290 InsO) wie Insolvenzstraftaten oder Obliegenheitsverletzungen.
Quellen & Rechtsgrundlagen
Geprüft am 22. Juli 2026. Rechtsstand 2026 (InsO i.d.F. des SanInsFoG). Alle Angaben ohne Gewähr; ersetzen keine individuelle Beratung.


