Der Insolvenzplan ist das Herzstück der sanierenden Insolvenz: Statt das Unternehmen zu zerschlagen, verhandeln Schuldner und Gläubiger einen Vergleich – der GmbH-Mantel bleibt erhalten, Verbindlichkeiten werden gestaltet.
Zuletzt geprüft am 22. Juli 2026 · Rechtsstand 2026
Der Insolvenzplan (§§ 217 ff. InsO) hat einen darstellenden (Ist-Analyse, Sanierungskonzept) und einen gestaltenden Teil (Eingriff in Rechte). Die Gläubiger stimmen in Gruppen ab; Zustimmung erfordert in jeder Gruppe Kopf- und Summenmehrheit. Verweigert eine Gruppe zu Unrecht, greift das Obstruktionsverbot (§ 245 InsO). Das Gericht bestätigt den Plan (§ 248 InsO).
Aufbau des Plans
- Darstellender Teil (§ 220 InsO): Krisenursachen, Ist-Zustand, Sanierungskonzept, Vergleichsrechnung.
- Gestaltender Teil (§ 221 InsO): wie die Rechtsstellung der Beteiligten geändert wird (Quoten, Stundungen, Debt-to-Equity-Swap).
- Anlagen: Plan-GuV, Liquiditätsplan, Vermögensübersicht.
Gruppenbildung & Abstimmung
Die Beteiligten werden in Gruppen mit gleichartigen Interessen eingeteilt (§ 222 InsO) – z. B. gesicherte Gläubiger, einfache Insolvenzgläubiger, Arbeitnehmer, Anteilsinhaber. In jeder Gruppe müssen die Mehrheit der Abstimmenden und die Mehrheit der Forderungssummen zustimmen (§ 244 InsO).
Stimmt eine Gruppe nicht zu, gilt ihre Zustimmung dennoch als erteilt, wenn sie durch den Plan nicht schlechter gestellt wird als ohne Plan und angemessen beteiligt ist (§ 245 InsO). Das verhindert, dass einzelne Gläubiger eine sinnvolle Sanierung blockieren.
Eingriff in Anteilsrechte
Seit dem ESUG (2012) kann der Plan auch in die Rechte der Gesellschafter eingreifen – etwa durch Kapitalschnitt und Debt-to-Equity-Swap, bei dem Gläubiger ihre Forderungen in Anteile umwandeln (§ 225a InsO). Damit lässt sich der Rechtsträger fortführen.
Rechtsprechung
Der Minderheitenschutz (§ 251 InsO) greift nur, wenn ein Beteiligter durch den Plan schlechter steht als im Regelverfahren – das muss er glaubhaft machen.
Der Plan kann Anteilsrechte auch gegen den Willen der Alt-Gesellschafter umgestalten; deren Blockadeposition ist seit dem ESUG deutlich geschwächt.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Vorteil eines Insolvenzplans?
Der Rechtsträger (die GmbH) bleibt erhalten, Verträge, Lizenzen und steuerliche Merkmale müssen nicht neu begründet werden. Zugleich lässt sich eine höhere Gläubigerbefriedigung erreichen als bei der Zerschlagung.
Wer darf einen Plan vorlegen?
Der Insolvenzverwalter oder der Schuldner selbst (§ 218 InsO). In der Eigenverwaltung ist der Plan das typische Instrument des schuldnerischen Managements.
Was ist das Obstruktionsverbot?
Nach § 245 InsO gilt die Zustimmung einer ablehnenden Gruppe als erteilt, wenn sie durch den Plan nicht schlechter gestellt und angemessen beteiligt wird. So können unbegründete Blockaden überwunden werden.
Kann der Plan Gesellschafter enteignen?
Er kann in Anteilsrechte eingreifen (Kapitalschnitt, Debt-to-Equity-Swap, § 225a InsO). Ein angemessener Ausgleich und der Minderheitenschutz sind zu beachten.
Wie lange dauert ein Planverfahren?
Deutlich kürzer als ein Regelverfahren – oft wenige Monate. In vorbereiteten Fällen (Pre-Pack) kann der Plan schon kurz nach Eröffnung bestätigt werden.
Quellen & Rechtsgrundlagen
Geprüft am 22. Juli 2026. Rechtsstand 2026 (InsO i.d.F. des SanInsFoG). Alle Angaben ohne Gewähr; ersetzen keine individuelle Beratung.


