Der Kapitalwert der Rente ist die Gegenleistung – er entscheidet, ob und in welcher Höhe eine steuerpflichtige Schenkung verbleibt.
Fachlich geprüft · Rechtsstand: 18. August 2026
Der Wert einer lebenslangen Rente ergibt sich aus dem Jahreswert multipliziert mit einem Vervielfältiger, der von Alter und Geschlecht des Berechtigten und vom gesetzlichen Zinssatz von 5,5 Prozent abhängt. Der BFH hat diesen Zinssatz für die Schenkungsteuer als verfassungsgemäß bestätigt. Übersteigt der Vermögenswert den Kapitalwert der Rente, liegt eine gemischte Schenkung vor.
So rechnest du den Kapitalwert
Die Formel ist einfach, die Wirkung groß: Jahreswert × Vervielfältiger = Kapitalwert. Der Jahreswert ist die Summe von zwölf Monatszahlungen.
- 1. Jahreswert: monatliche Rente × 12;
- 2. Vervielfältiger: aus der amtlichen Tabelle zu § 14 BewG, abhängig von Alter und Geschlecht;
- 3. Kapitalwert: Jahreswert × Vervielfältiger;
- 4. Vergleich: Kapitalwert gegen den Steuerwert des übertragenen Vermögens.
Rechenbeispiel
Ein Vater überträgt ein Mietshaus mit einem Steuerwert von 600.000 € an die Tochter und behält eine monatliche Rente von 1.500 €. Der Jahreswert beträgt 18.000 €. Bei einem Vervielfältiger von 12,0 ergibt sich ein Kapitalwert von 216.000 €.
Die Differenz von 384.000 € ist der unentgeltliche Teil. Er liegt unter dem Freibetrag von 400.000 € – Schenkungsteuer entsteht dann nicht, sofern keine Vorschenkungen aus den letzten zehn Jahren hinzukommen.
Warum der Zinssatz zählt
Der Zinssatz von 5,5 Prozent ist in die Vervielfältiger eingerechnet. Ein niedrigerer Zinssatz würde zu höheren Kapitalwerten und damit zu einer größeren Gegenleistung führen.
Der BFH hat entschieden, dass die Typisierung mit 5,5 Prozent bei der Bewertung lebenslanger Renten für Zwecke der Schenkungsteuer nicht gegen den Gleichheitssatz verstößt. Einsprüche allein mit diesem Argument haben damit kaum Aussicht.
Ertragsteuerliche Seite nicht vergessen
Neben der Schenkungsteuer ist die Einkommensteuer zu prüfen: Beim Verkäufer kann ein Zinsanteil der Rente steuerpflichtig sein, beim Erwerber kommen Abschreibungen auf den entgeltlich erworbenen Teil in Betracht.
Bei Immobilien ist zusätzlich die Zehnjahresfrist für private Veräußerungsgeschäfte im Blick zu behalten. Eine Modellrechnung vor der Beurkundung verhindert Überraschungen.
Was in den Vertrag gehört
Klar geregelt werden sollten Höhe und Fälligkeit der Rente, Anpassungsklauseln, Sicherungen im Grundbuch sowie die Folgen bei Zahlungsverzug oder Pflegebedürftigkeit. Je präziser der Vertrag, desto belastbarer die Bewertung.
Ist die Rente auf eine bestimmte Zeit begrenzt, gelten die Vervielfältiger des § 13 BewG. Die Wahl zwischen lebenslang und befristet verändert das Ergebnis deutlich.
Deine Checkliste: Übertragung gegen Rente
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Übertragung gegen Rente
6 Punkte · §§ 13, 14 BewG- 1. Steuerwert des Vermögens ermittelnBedarfswert oder Gutachten.
- 2. Jahreswert der Rente festlegenZwölf Monatszahlungen.
- 3. Vervielfältiger ablesenAmtliche Tabelle zu § 14 BewG.
- 4. Unentgeltlichen Teil berechnenVermögenswert minus Kapitalwert.
- 5. Freibetrag prüfenVorschenkungen einbeziehen.
- 6. Ertragsteuer prüfenZinsanteil und Abschreibung.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie hoch ist der Vervielfältiger?
Er hängt von Alter und Geschlecht des Rentenberechtigten ab und wird jährlich amtlich veröffentlicht.
Bleibt es beim Zinssatz von 5,5 Prozent?
Ja. Der BFH hält ihn für die Bewertung lebenslanger Renten bei der Schenkungsteuer für verfassungsgemäß.
Was ist eine gemischte Schenkung?
Eine Übertragung, bei der eine Gegenleistung erbracht wird, die unter dem Wert des Vermögens liegt. Nur die Differenz ist unentgeltlich.
Muss die Rente im Grundbuch gesichert werden?
Rechtlich nicht zwingend, praktisch sinnvoll – eine Reallast schützt den Berechtigten.
Wirkt sich die Rente auf die Einkommensteuer aus?
Ja, je nach Gestaltung kann ein Zinsanteil steuerpflichtig sein. Das gehört in die Vorabberechnung.
Quellen & Rechtsgrundlagen
Geprüft am 18. August 2026 anhand der folgenden Quellen. Entscheidungen und Gesetzgebungsverfahren können sich kurzfristig ändern – prüfe den Stand anhand der Primärquellen.

