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Ratgeber · Erben & Vererben§ 2147 BGBVermächtnis2026

Vermächtnis vs. Erbeinsetzung

Wer im Testament bedacht wird, ist nicht automatisch Erbe. Dieser Ratgeber erklärt die Abgrenzung zwischen Erbe und Vermächtnisnehmer – und ihre Folgen für Haftung und Steuer.

VermächtnisErbe oder Vermächtnis – der Wille des Erblassers entscheidet.

Erbe oder Vermächtnisnehmer – der Unterschied entscheidet über Haftung, Rechte und Steuer. Wer im Testament bedacht wird, ist nicht automatisch Erbe. Dieser Ratgeber erklärt die Abgrenzung und ihre steuerlichen Folgen.

Das Wichtigste in Kürze

Der Erbe tritt in die Rechtsstellung des Erblassers ein und haftet für Schulden; das Vermächtnis gibt nur einen schuldrechtlichen Anspruch auf einen bestimmten Gegenstand (§ 1939, §§ 2147 ff. BGB). Beide unterliegen der Erbschaftsteuer, jeder mit eigenem persönlichen Freibetrag.

Erbe vs. Vermächtnisnehmer

Erbeinsetzung vs. Vermächtnis
ErbeVermächtnisnehmer
RechtsstellungGesamtrechtsnachfolgeschuldrechtl. Anspruch
Haftungfür Nachlassschuldenkeine
Erwerbautomatisch mit ErbfallAnspruch gegen Erben
Erbschaftsteuerja, eigener Freibetragja, eigener Freibetrag

Steuerliche Behandlung

Beim Erben ist der Nachlassanteil steuerpflichtig; beim Vermächtnisnehmer der Wert des zugewandten Gegenstands. Der Erbe kann das ausgezahlte Vermächtnis als Nachlassverbindlichkeit abziehen (§ 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG) – so wird der Betrag nicht doppelt besteuert. Jeder nutzt seinen persönlichen Freibetrag nach dem Verhältnis zum Erblasser.

Gestaltung mit Vermächtnissen

Vermächtnisse eignen sich, um einzelne Gegenstände (Immobilie, Schmuck, Geldbetrag) gezielt zuzuwenden, ohne jemanden zum Miterben zu machen. Steuerlich lassen sich damit Freibeträge mehrerer Personen aktivieren – etwa beim Berliner Testament über ein Vermächtnis an die Kinder im ersten Erbfall.

Rechtsprechung

BGH IV ZR 356/20
Auslegung: Erbe oder Vermächtnis

Ob eine Zuwendung Erbeinsetzung oder Vermächtnis ist, richtet sich nach dem Willen des Erblassers. Wird das gesamte oder nahezu gesamte Vermögen zugewandt, spricht dies für eine Erbeinsetzung – auch wenn das Wort „vermache" verwendet wird.

Häufige Fragen (FAQ)

Bin ich Erbe oder Vermächtnisnehmer?

Erbe ist, wer in die gesamte Rechtsstellung eintritt; Vermächtnisnehmer erhält nur einen Anspruch auf einen bestimmten Gegenstand. Entscheidend ist der Wille des Erblassers, nicht die Wortwahl.

Haftet der Vermächtnisnehmer für Schulden?

Nein. Nur die Erben haften für Nachlassverbindlichkeiten; der Vermächtnisnehmer hat lediglich einen Anspruch gegen sie.

Wird das Vermächtnis besteuert?

Ja, beim Vermächtnisnehmer mit dem Wert der Zuwendung; der Erbe darf es als Nachlassverbindlichkeit abziehen (§ 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG).

Muss ich mein Vermächtnis einfordern?

Ja, es ist ein Anspruch gegen die Erben. Setze ihn schriftlich durch und beachte die Verjährung von drei Jahren.

Quellen & Rechtsgrundlagen

Geprüft am 22. Juli 2026. Rechtsstand 2026. Alle Angaben ohne Gewähr; ersetzen keine individuelle Beratung.

  1. § 2147 BGB – Vermächtnis. Gesetze im Internet, Bundesamt für Justiz.
  2. § 1939 BGB – Vermächtnis (Begriff). Gesetze im Internet.
  3. § 10 ErbStG – Nachlassverbindlichkeiten. Gesetze im Internet.
SteuerNest Redaktion
Klar. Digital. Steuerrecht.

Wir übersetzen Steuer- und Erbrecht in verständliche Sprache und prüfen jede Zahl gegen die Primärquelle. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung durch Steuerberater, Rechtsanwalt (Fachanwalt für Steuer- oder Erbrecht) oder Notar.

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