Der häufigste Fehler in der Praxis: Zuschläge, Auslösungen und Teile des Weihnachtsgelds werden mitgepfändet, obwohl § 850a ZPO sie schützt.
Zuletzt fachlich geprüft am 28. Juli 2026 · Rechtsstand: InsO in der Fassung 2026
Mit Zustellung eines Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses – oder mit der Abtretung im Insolvenzverfahren – wird der Arbeitgeber Drittschuldner. Er ermittelt das pfändbare Netto nach § 850c ZPO, zieht die unpfändbaren Bezüge nach § 850a ZPO ab, gibt binnen zwei Wochen die Drittschuldnererklärung (§ 840 ZPO) ab und führt an den Gläubiger bzw. Treuhänder ab. Mehrere Pfändungen werden nach dem Zeitpunkt der Zustellung bedient; die Insolvenzabtretung verdrängt spätere Pfändungen.
So wird gerechnet
Ausgangspunkt ist das Netto. Davon abzuziehen sind die unpfändbaren Bezüge nach § 850a ZPO – etwa die Hälfte der Mehrarbeitsvergütung, Gefahren-, Schmutz- und Erschwerniszuschläge, Auslösungen sowie Weihnachtsgeld bis zur Hälfte des monatlichen Arbeitseinkommens, höchstens bis zu einem gesetzlichen Betrag.
Aus dem verbleibenden Betrag ergibt der Pfändungsfreibetrag nach § 850c ZPO – Grundbetrag plus Erhöhungen je Unterhaltspflicht – den pfändbaren Teil. Über der Freigrenze wird gestaffelt gepfändet; oberhalb eines Höchstbetrags ist der Rest voll pfändbar. Die Werte werden jährlich zum 1. Juli angepasst.
Der Arbeitgeber berücksichtigt nur die Unterhaltspflichten, die ihm bekannt und belegt sind. Reiche Geburtsurkunden, Unterhaltstitel oder Bescheide ein – jede nicht berücksichtigte Person kostet dich Geld.
Pflichten des Betriebs
| Pflicht | Inhalt |
|---|---|
| Drittschuldnererklärung | binnen zwei Wochen, § 840 ZPO – Bestand, Höhe, konkurrierende Pfändungen |
| Abführung | monatlich an Gläubiger bzw. Treuhänder |
| Rangfolge | Reihenfolge der Zustellung; Unterhaltspfändungen vorrangig |
| Aufbewahrung | Beschlüsse und Berechnungen zur Lohnakte |
| Auskunft | keine Weitergabe an Dritte – Datenschutz beachten |
| Haftung | bei fehlerhafter Abführung gegenüber dem Gläubiger |
Kündigen darf der Arbeitgeber wegen einer Pfändung nicht – sie ist kein Kündigungsgrund. Auch die Weitergabe der Information an Kollegen ist ein Datenschutzverstoß.
Besonderheiten im Insolvenzverfahren
Mit Eröffnung sind Einzelvollstreckungen unzulässig; laufende Lohnpfändungen von Insolvenzgläubigern entfallen. Der pfändbare Teil fließt an den Verwalter, nach Aufhebung an den Treuhänder aufgrund der Abtretung nach § 287 Abs. 2 InsO.
Der Arbeitgeber sollte sich die Abtretung und – nach Aufhebung – den Beschluss vorlegen lassen und die Zahlungsempfänger sauber dokumentieren. Zahlt er an den falschen Empfänger, wird er nicht frei.
Abrechnung prüfen – als Beschäftigter
Vergleiche die Abrechnung mit der amtlichen Pfändungstabelle: Stimmen Netto, Zahl der berücksichtigten Unterhaltspflichten und der abgeführte Betrag? Prüfe außerdem, ob unpfändbare Bestandteile herausgerechnet wurden – Zuschläge, Aufwandsentschädigungen, Teile von Sonderzahlungen.
Bei Streit entscheidet das Vollstreckungsgericht. Ein Antrag nach § 850f ZPO kann den unpfändbaren Betrag erhöhen, wenn besondere Bedürfnisse bestehen – etwa erhöhte Krankheitskosten.
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Lohnpfändung prüfen
6 Punkte- 1. Beschluss lesenWer pfändet, in welcher Höhe, ab wann?
- 2. Unterhaltspflichten belegenNachweise beim Arbeitgeber einreichen.
- 3. Unpfändbares prüfen§ 850a ZPO: Zuschläge, Auslösungen, Sonderzahlungen.
- 4. Tabelle vergleichenAbgeführten Betrag mit der Pfändungstabelle abgleichen.
- 5. Rangfolge klärenMehrere Pfändungen – Reihenfolge der Zustellung.
- 6. Antrag prüfen§ 850f ZPO bei besonderen Bedürfnissen.
Häufige Fragen (FAQ)
Darf mein Arbeitgeber wegen der Pfändung kündigen?
Nein. Eine Lohnpfändung ist kein Kündigungsgrund.
Was ist die Drittschuldnererklärung?
Die Auskunft des Arbeitgebers an den Gläubiger nach § 840 ZPO – binnen zwei Wochen ab Zustellung.
Welche Lohnbestandteile sind unpfändbar?
Unter anderem die Hälfte der Mehrarbeitsvergütung, bestimmte Zuschläge, Auslösungen sowie Teile des Weihnachtsgelds (§ 850a ZPO).
Wie werden mehrere Pfändungen behandelt?
Nach dem Zeitpunkt der Zustellung; Unterhaltsgläubiger haben Vorrang.
Was passiert im Insolvenzverfahren?
Einzelpfändungen von Insolvenzgläubigern entfallen; abgeführt wird an Verwalter bzw. Treuhänder.
Quellen & Rechtsgrundlagen
Alle Angaben wurden am 28. Juli 2026 anhand der folgenden Quellen geprüft. Rechtsstand: InsO in der Fassung 2026.


