Die drei wichtigsten Pflichten lauten: arbeiten oder sich bemühen, jede Änderung melden, keinen Gläubiger bevorzugen.
Zuletzt fachlich geprüft am 28. Juli 2026 · Rechtsstand: InsO in der Fassung 2026
Während der dreijährigen Abtretungsfrist gelten die Obliegenheiten der §§ 295, 295a InsO: angemessene Erwerbstätigkeit oder nachweisbare Bemühungen, Abführung der pfändbaren Bezüge, Herausgabe der Hälfte einer Erbschaft, unverzügliche Mitteilung von Wohnsitz-, Arbeitsplatz- und Einkommensänderungen sowie keine Bevorzugung einzelner Gläubiger. Verstöße führen auf Gläubigerantrag zur Versagung (§ 296 InsO) – aber nur bei Verschulden und Beeinträchtigung der Gläubiger.
Die Pflichten im Detail
| Pflicht | Inhalt |
|---|---|
| Erwerbsobliegenheit | angemessene Tätigkeit ausüben oder sich nachweisbar bemühen; zumutbare Arbeit nicht ablehnen |
| Abführung | pfändbare Bezüge an den Treuhänder, Abtretungserklärung wirkt automatisch |
| Erbschaft | die Hälfte des Werts herausgeben (§ 295 Abs. 1 Nr. 2 InsO) |
| Mitteilungen | Wohnsitz, Arbeitgeber, Einkommen, Erbfälle – unverzüglich |
| Gleichbehandlung | keine Zahlungen an einzelne Insolvenzgläubiger |
| Selbstständige (§ 295a) | Zahlung wie bei fiktivem Angestelltengehalt |
Die Erwerbsobliegenheit ist die häufigste Streitfrage. Dokumentiere Bewerbungen, Absagen und Vermittlungsgespräche – im Versagungsverfahren trägst du die Darlegungslast für dein Bemühen.
Sonderfälle: Erbschaft, Selbstständigkeit, Umzug
Eine Erbschaft ist hälftig herauszugeben – gerechnet vom Wert des Erbteils. Bei Immobilien wird das schnell komplex; kläre die Bewertung mit dem Treuhänder, bevor du verfügst. Eine Schenkung ist nicht erfasst, ein Lottogewinn zählt als Neuerwerb und ist im Rahmen der Pfändungsgrenzen abzuführen.
Bei selbstständiger Tätigkeit gilt § 295a InsO: Statt der Abführung pfändbarer Bezüge zahlst du den Betrag, der bei einem angemessenen Arbeitsverhältnis pfändbar wäre. Ein Umzug oder Arbeitgeberwechsel ist sofort zu melden – und der neue Arbeitgeber muss von der Abtretung erfahren.
Erstattungen aus der Zeit vor Verfahrensaufhebung gehören regelmäßig zur Masse. Wer keine Erklärung abgibt, riskiert Schätzungen – und die Nichtabgabe kann als Verletzung der Mitwirkungspflicht gewertet werden.
Versagung vermeiden
Die Versagung setzt einen Gläubigerantrag voraus (§ 296 InsO), der binnen eines Jahres ab Kenntnis zu stellen ist. Erforderlich sind eine schuldhafte Verletzung und eine Beeinträchtigung der Gläubigerbefriedigung. Reine Formfehler ohne Schaden genügen nicht.
Kommt ein Antrag, wirst du angehört. Nutze die Gelegenheit: Belege dein Bemühen, hole nach, was nachholbar ist, und zahle bei bevorzugten Zahlungen zurück. In vielen Fällen lässt sich die Versagung so abwenden.
Beeinträchtigung der Gläubiger?
Wer Versäumnisse selbst offenlegt und ausgleicht, steht im Anhörungsverfahren deutlich besser.
Am Ende der Frist
Nach drei Jahren hört das Gericht Treuhänder und Gläubiger und entscheidet über die Restschuldbefreiung (§ 300 InsO). Sie wirkt gegen alle Insolvenzgläubiger – ausgenommen die Forderungen des § 302 InsO. Die Veröffentlichung im Insolvenzportal wird sechs Monate nach Erteilung gelöscht.
Danach beginnt die Aufräumarbeit: Datenkopie bei Auskunfteien anfordern, veraltete Einträge löschen lassen, offene nicht erfasste Forderungen in einen Zahlungsplan bringen.
Deine Checkliste
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Obliegenheiten einhalten
6 Punkte- 1. Abtretung prüfenKennt dein Arbeitgeber die Abtretung und die Freibeträge?
- 2. Bemühen dokumentierenBewerbungen und Absagen sammeln.
- 3. Änderungen meldenUmzug, Job, Einkommen – unverzüglich an den Treuhänder.
- 4. Erbfall anzeigenHälfte des Werts herausgeben.
- 5. Keine SonderzahlungenKein Altgläubiger wird bevorzugt.
- 6. Erklärungen abgebenSteuererklärungen laufen weiter.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie lange dauert die Wohlverhaltensphase?
Drei Jahre ab Eröffnung des Verfahrens.
Muss ich jede Arbeit annehmen?
Zumutbare Tätigkeit ja. Eine offensichtlich unzumutbare Stelle darfst du ablehnen – dokumentiere die Gründe.
Was passiert bei einer Erbschaft?
Die Hälfte des Werts ist an den Treuhänder herauszugeben.
Wer kann die Versagung beantragen?
Jeder Insolvenzgläubiger, binnen eines Jahres ab Kenntnis der Pflichtverletzung.
Zählt eine Schenkung als Erwerb?
Schenkungen sind von der hälftigen Herausgabepflicht nicht erfasst; Neuerwerb unterliegt aber den Pfändungsgrenzen.
Quellen & Rechtsgrundlagen
Alle Angaben wurden am 28. Juli 2026 anhand der folgenden Quellen geprüft. Rechtsstand: InsO in der Fassung 2026.


