Der Nießbrauch an einer Kapitallebensversicherung wirft die Bewertungsfrage auf, weil vor der Kündigung keine laufenden Erträge fließen. Genau darauf stellt der BFH ab.
Fachlich geprüft · Rechtsstand: 18. August 2026
Wer eine Kapitallebensversicherung überträgt und sich den Nießbrauch vorbehält, kann die Belastung nach der Entscheidung des BFH nicht sofort abziehen: Sie mindert die Schenkungsteuer erst, wenn die Versicherung gekündigt und der Rückkaufswert ausgezahlt wird. Bis dahin bleibt es beim Erwerb ohne Belastungsabzug.
Der Fall und die Begründung
Übertragen wurde eine Kapitallebensversicherung unter Vorbehalt des Nießbrauchs. Streitig war, ob dieser Vorbehalt den schenkungsteuerpflichtigen Erwerb schon im Zeitpunkt der Übertragung mindert.
Der BFH verneint das für den Zeitpunkt der Schenkung: Solange die Versicherung fortgeführt wird, zieht der Nießbrauch keine Nutzungen nach sich, die bewertet und abgezogen werden könnten. Erst mit Kündigung und Erhalt des Rückkaufswerts entsteht die abzugsfähige Belastung.
Folgen für die Gestaltung
Wer eine Police zu Lebzeiten überträgt, sollte nicht mit einem sofortigen Bewertungsabschlag rechnen. Der Freibetrag kann dadurch schneller aufgezehrt werden als geplant – bei Kindern 400.000 €, bei Enkeln 200.000 € innerhalb von zehn Jahren.
- 1. Zeitpunkt prüfen: Übertragung vor oder nach Kündigung führt zu unterschiedlichen Bemessungsgrundlagen;
- 2. Alternativen vergleichen: Teilübertragung, Bezugsrechtsänderung oder Übertragung nach Auszahlung;
- 3. Zehnjahreszeitraum planen: Freibeträge stehen alle zehn Jahre erneut zur Verfügung;
- 4. Anzeigepflicht beachten: Schenkungen sind dem Finanzamt binnen drei Monaten anzuzeigen.
Anzeige und Bewertung nicht vergessen
Unabhängig von der Bewertungsfrage bleibt die Anzeigepflicht bestehen. Beteiligte sollten den Vertrag, die Nießbrauchsvereinbarung und die Wertmitteilung des Versicherers zusammen einreichen, damit das Finanzamt den Sachverhalt vollständig beurteilen kann.
Halte den Nießbrauchsvorbehalt und seinen Umfang schriftlich fest – auch für den späteren Zeitpunkt der Kündigung. Ohne klare Vereinbarung droht der Abzug ganz zu entfallen.
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5 Punkte · § 7 ErbStG, § 10 ErbStG- 1. Vertragswerte anfordernRückkaufswert und Überschussanteile beim Versicherer abfragen.
- 2. Nießbrauch schriftlich regelnUmfang, Dauer und Verwendung der Auszahlung festhalten.
- 3. Freibetrag prüfenVorschenkungen der letzten zehn Jahre einbeziehen.
- 4. Schenkung anzeigenInnerhalb von drei Monaten beim Finanzamt.
- 5. Kündigungszeitpunkt planenErst dann wirkt der Nießbrauch steuerlich.
Häufige Fragen (FAQ)
Mindert der Nießbrauch die Schenkungsteuer gar nicht?
Er mindert sie nach der Entscheidung des BFH nicht im Zeitpunkt der Übertragung, sondern erst, wenn die Versicherung gekündigt und der Rückkaufswert erlangt wird.
Mit welchem Wert wird die Police angesetzt?
Maßgeblich ist der Wert der Versicherung im Zeitpunkt der Schenkung; der Versicherer erteilt dazu eine Wertmitteilung.
Muss ich die Schenkung anzeigen?
Ja. Schenkungen sind dem Finanzamt grundsätzlich innerhalb von drei Monaten anzuzeigen, auch wenn keine Steuer anfällt.
Gilt das auch für Immobilien?
Nein. Beim Nießbrauch an einer Immobilie fließen laufende Nutzungen, die bewertet und abgezogen werden. Die Entscheidung betrifft die Besonderheiten der Kapitallebensversicherung.
Quellen & Rechtsgrundlagen
Geprüft am 18. August 2026 anhand der folgenden Quellen. Entscheidungen und Gesetzgebungsverfahren können sich kurzfristig ändern – prüfe den Stand anhand der Primärquellen.

