Private Kapitalerträge unterliegen grundsätzlich der Abgeltungsteuer von 25 % zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer § 32d EStG. Die Bank behält die Steuer als Kapitalertragsteuer ein § 43 EStG. Über Freistellungsauftrag, Verlusttöpfe und Günstigerprüfung lässt sich die Belastung oft senken.
Inhalt dieses Leitfadens
01. Abgeltungsteuer & Kapitalertragsteuer
Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren werden pauschal mit 25 % besteuert § 32d Abs. 1 EStG. Die depotführende Bank zieht die Steuer automatisch ab und führt sie ab. Bei ausländischen Depots ist die Erklärung in der Anlage KAP erforderlich.
| Position | Wert | Grundlage |
|---|---|---|
| Abgeltungsteuer | 25 % | § 32d Abs. 1 EStG |
| Solidaritätszuschlag | 5,5 % der Steuer | SolzG |
| Kirchensteuer | 8 % / 9 % der Steuer | je Bundesland |
| Sparerpauschbetrag | 1.000 / 2.000 € | § 20 Abs. 9 EStG |
02. Sparerpauschbetrag & Freistellungsauftrag
Bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 € (Ledige) bzw. 2.000 € (zusammen veranlagt) bleiben Kapitalerträge steuerfrei § 20 Abs. 9 EStG. Durch einen Freistellungsauftrag bei der Bank wird der Steuerabzug bis zu dieser Höhe vermieden. Der Betrag kann auf mehrere Banken aufgeteilt werden.
03. Verlustverrechnung & Verlusttöpfe
Verluste werden in getrennten Töpfen verrechnet § 20 Abs. 6 EStG: Verluste aus Aktienveräußerungen dürfen nur mit Aktiengewinnen verrechnet werden; der allgemeine Verlusttopf umfasst übrige Kapitalerträge. Für einen bankübergreifenden Ausgleich ist eine Verlustbescheinigung (Antrag bis 15.12.) und die Anlage KAP nötig.
Das BVerfG hat die Beschränkung, wonach Aktienverluste nur mit Aktiengewinnen verrechenbar sind, als Verstoß gegen den Gleichheitssatz beanstandet – die Rechtsentwicklung ist zu beobachten.
04. Günstigerprüfung (Anlage KAP)
Liegt der persönliche Steuersatz unter 25 %, kann in der Anlage KAP die Günstigerprüfung beantragt werden § 32d Abs. 6 EStG. Das Finanzamt wendet dann den (niedrigeren) tariflichen Satz auf die Kapitalerträge an – der Antrag kann nie nachteilig sein.
05. ETFs, Fonds & Vorabpauschale
Investmentfonds unterliegen dem InvStG. Thesaurierende ETFs lösen jährlich eine Vorabpauschale aus, die als fiktiver Ertrag besteuert wird; bei Verkauf wird sie angerechnet. Aktienfonds erhalten eine Teilfreistellung von 30 % der Erträge.
06. Krypto & private Veräußerungsgeschäfte
Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowerten sind private Veräußerungsgeschäfte § 23 EStG – steuerfrei nach einem Jahr Haltefrist. Innerhalb der Frist gilt eine Freigrenze von 1.000 € pro Jahr. Anders als bei Wertpapieren greift hier nicht die Abgeltungsteuer, sondern der persönliche Steuersatz.
Der BFH bestätigt, dass Kryptowährungen Wirtschaftsgüter sind und Gewinne aus Veräußerungen innerhalb der Jahresfrist steuerbar sind; ein strukturelles Vollzugsdefizit liegt nicht vor.
Praxis, Gestaltung & Streitpunkte
Bei Kapitalerträgen liegt das Sparpotenzial in der optimalen Ausnutzung von Freibetrag, Verlusttöpfen und Günstigerprüfung:
- Freistellungsauftrag optimal verteilen und jährlich an die Depotstruktur anpassen.
- Verlustbescheinigung bis 15.12. beantragen, um Verluste bankübergreifend zu verrechnen.
- Günstigerprüfung bei niedrigem Steuersatz beantragen – der Antrag kann nie nachteilig sein.
Ausländische Quellensteuer wird über die Anlage KAP angerechnet – gerade bei US-Dividenden und Auslandsdepots bares Geld wert.
07. Checkliste Kapitalerträge
Zum Abhaken – so wird nichts vergessen- Freistellungsauftragoptimal auf Banken verteilt
- Anlage KAPbei Auslandsdepots / Günstigerprüfung
- Verlustbescheinigungbis 15.12. beantragt
- KirchensteuerAbzug korrekt?
- KryptoHaltefrist & Freigrenze geprüft
Vertiefen & anwenden
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08. Häufige Fragen
Wann lohnt sich die Anlage KAP?
Bei ausländischen Depots, zur bankübergreifenden Verlustverrechnung, für die Günstigerprüfung bei niedrigem Steuersatz und zur Anrechnung ausländischer Quellensteuer.
Wie hoch ist der Sparerpauschbetrag 2026?
1.000 € für Ledige und 2.000 € bei Zusammenveranlagung. Über den Freistellungsauftrag vermeidest du bis zu dieser Höhe den Steuerabzug.
Sind ETF-Gewinne steuerfrei, solange ich nicht verkaufe?
Nicht ganz: Thesaurierende Fonds lösen jährlich eine Vorabpauschale aus, die besteuert und beim späteren Verkauf angerechnet wird.
Wann sind Kryptogewinne steuerfrei?
Nach mehr als einem Jahr Haltefrist. Innerhalb eines Jahres gilt eine Freigrenze von 1.000 € pro Jahr; darüber greift der persönliche Steuersatz.
Quellen & Rechtsgrundlagen
Rechtsstand Juli 2026. Alle Angaben ohne Gewähr; ersetzen keine individuelle Beratung.
- § 32d EStG – Abgeltungsteuer & Günstigerprüfung
- § 20 Abs. 6, Abs. 9 EStG – Verlustverrechnung, Sparerpauschbetrag
- § 43 EStG – Kapitalertragsteuer
- § 23 EStG, InvStG – Krypto, Fonds & Vorabpauschale
- BVerfG 2 BvL 3/21; BFH IX R 3/22 – Verlustverrechnung, Krypto
