Der Progressionsvorbehalt (§ 32b EStG) sorgt dafür, dass bestimmte steuerfreie Lohnersatzleistungen zwar selbst nicht besteuert werden, aber den Steuersatz erhöhen, der auf das übrige Einkommen anzuwenden ist. Betroffen sind u. a. Elterngeld, Kurzarbeitergeld, Arbeitslosen-, Kranken- und Mutterschaftsgeld.
So wird gerechnet
Für den Steuersatz werden die steuerfreien Leistungen dem zu versteuernden Einkommen fiktiv hinzugerechnet. Aus diesem erhöhten Betrag wird der besondere Steuersatz ermittelt und dann nur auf das tatsächlich steuerpflichtige Einkommen angewandt. So bleibt die Leistung steuerfrei, hebt aber die Progression an – häufig kommt es dadurch zu Steuernachzahlungen.
Betroffene Leistungen & Pflichtveranlagung
Dem Progressionsvorbehalt unterliegen u. a. Arbeitslosengeld I, Kurzarbeitergeld, Kranken- und Verletztengeld, Mutterschafts- und Elterngeld sowie bestimmte ausländische Einkünfte. Wer solche Leistungen über 410 € im Jahr bezieht, ist zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet (Pflichtveranlagung).
| Wirkung | erhöht den Steuersatz |
|---|---|
| Leistung selbst | bleibt steuerfrei |
| Typische Fälle | Elterngeld, KUG, ALG I, Krankengeld |
| Pflichtveranlagung | ab 410 € im Jahr |
| Negativer PV | senkt den Steuersatz (z. B. Verluste) |
| Rechtsgrundlage | § 32b EStG |
Rechtsprechung & Leiturteile
Ausgewählte höchstrichterliche Entscheidungen zu Progressionsvorbehalt. Aktenzeichen und Datum dienen der Orientierung – maßgeblich ist der amtliche Volltext.
Katalog der Lohnersatzleistungen
§ 32b EStG zählt die dem Progressionsvorbehalt unterliegenden Leistungen abschließend auf. Nicht genannte steuerfreie Einnahmen erhöhen den Steuersatz nicht.
Pflichtveranlagung ab 410 €
Wer Leistungen mit Progressionsvorbehalt von mehr als 410 € im Jahr bezieht, muss eine Einkommensteuererklärung abgeben. Häufig ergibt sich daraus eine Nachzahlung.
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Verwandte Lexikon-Begriffe
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Progressionsvorbehalt?
Ein Mechanismus, bei dem steuerfreie Lohnersatzleistungen den Steuersatz auf das übrige Einkommen erhöhen. Die Leistung selbst bleibt steuerfrei, wirkt aber progressionssteigernd.
Welche Leistungen sind betroffen?
Unter anderem Arbeitslosengeld I, Kurzarbeitergeld, Kranken-, Verletzten-, Mutterschafts- und Elterngeld sowie bestimmte steuerfreie ausländische Einkünfte.
Wie wird der Steuersatz berechnet?
Die steuerfreien Leistungen werden dem zu versteuernden Einkommen fiktiv hinzugerechnet, daraus der Steuersatz ermittelt und dieser nur auf das tatsächlich steuerpflichtige Einkommen angewandt.
Warum muss ich nachzahlen?
Weil während des Jahres kein Steuerabzug auf die Lohnersatzleistung erfolgt, der erhöhte Steuersatz aber erst in der Veranlagung wirkt. Das führt häufig zu Nachzahlungen.
Ab wann muss ich eine Steuererklärung abgeben?
Sobald Sie im Jahr mehr als 410 € an Leistungen mit Progressionsvorbehalt beziehen, besteht Pflicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung.
Ist Elterngeld steuerpflichtig?
Nein, Elterngeld ist steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt und erhöht damit den Steuersatz auf das übrige Einkommen.
Was ist ein negativer Progressionsvorbehalt?
Bestimmte negative Beträge (z. B. zurückgezahlte Leistungen oder steuerfreie ausländische Verluste) senken den Steuersatz. Das kann zu einer Erstattung führen.
Wirkt der Progressionsvorbehalt beim Ehegattensplitting?
Ja. Die Leistungen beider Ehegatten fließen in die Berechnung des gemeinsamen Steuersatzes ein. Manchmal ist die Einzelveranlagung dann günstiger.
Zählt das Kurzarbeitergeld dazu?
Ja. Kurzarbeitergeld ist steuerfrei, unterliegt jedoch dem Progressionsvorbehalt und hat in Jahren mit Kurzarbeit oft zu Nachzahlungen geführt.
Kann ich die Nachzahlung vermeiden?
Vollständig vermeiden lässt sie sich nicht, aber durch Rücklagenbildung oder die Wahl der Einzelveranlagung bei Ehegatten kann die Belastung geplant bzw. gemindert werden.
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